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Regen tropft, nasse Haarstr?hnen kleben an meinem Gesicht. Ich laufe die Stra?en entlang und trete nach den Regentropfen die dick vom Himmel st?rzen. Von weitem her h?re ich die Ger?usche des Konzerts auf dem ich gerade noch mit den anderen gelacht habe. Wortspritzer dringen von dem Radio des Autos das dort steht zu mir her?ber. Ich verstehe S?tze die nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun haben, die mir Angst machen, die nicht sein k?nnen. Du bist seit zwei Jahren fort, zwei ganze Jahre habe ich nichts von dir geh?rt, nichts von dir gesehen, wusste nicht wo du lebst, wie du lebst, ob du lebst. Habe erst um dich geweint, dann auf dich geschimpft, dann hab ich mir Sorgen um dich gemacht, Sorgen dass du all die Drohungen wahr machst. Ich habe nie mehr etwas von dir erz?hlt, habe nie gesagt dass du damals einer meiner besten Freunde warst. Es klingt gemeiner als ich es gemeint habe, aber ich habe dich allm?hlich vergessen. Vielleicht sah ich auch einfach nur ein das, egal was du machst, du nicht mehr zur?ckkommen w?rdest, egal ob lebend oder tot.
Ich stand bei den anderen, wir tranken Bier, redeten den Mist den man redet wenn man anf?ngt Spa? zu haben. Das Konzert war von Anfang an gut, sogar die Vorband war in Ordnung. Dann kamst du pl?tzlich, und alles ging an mir vorbei und ich kippte um. Stille, abgrundtiefe Schw?rze. Ich sp?re wie jemand an mir zerrt und mir etwas ins Gesicht spritzt, h?re wie jemand etwas ruft und dann noch Stimmen da sind. Ich sehe dich, du beugst dich ?ber mich, sagst etwas, lachst, zeigst auf mich und rufst irgendwem irgendwas zu. Ich zwinge mich die Augen aufzumachen, sp?re wie Freude, Trauer, Wut in mir aufsteigt. Und als ich sehen kann bist du es nicht der sich ?ber mich beugt sondern ein anderer und du bist weg und schimpfe und schreie rum dass sie mich los und in Ruhe lassen sollen und schwankend stehe ich auf und stolpere dahin wo du sein k?nntest, wo du nicht bist.
1.4.05 21:37


Mir ist kalt und du bist warm. Ich bin m?de und du hast ein Bett und so liegen wir hier dann zusammen bei dir und versuchen uns die Decke zu teilen. Ich w?nschte du w?rdest aufh?ren mich zu fragen ob ich dich liebe denn ich wei? es nicht und ich wusste es noch nie und ob ich es irgendwann wissen werde kann ich jetzt noch nicht einmal ahnen, aber im Moment ist deine Stimme ein gutes Gef?hl und dein Atem ein warmer Platz zum schlafen und ich f?hle mich wohl und m?chte nicht fort und das ist es was z?hlt. Wer wei? schon was gestern war und was morgen sein wird, ich bin jetzt gl?cklich bei dir, vielleicht ist es morgen anders, aber das ist mir jetzt egal. Alles kann sich ?ndern und alles kann so bleiben wie es ist, doch wenn beides zusammen passiert ist es Liebe, ist es Zukunft und Ewigkeit.
Wir reden ?ber unsere Zukunft, ?ber Kindernamen, ?ber Heirat, ?ber das Zusammenziehen. Du wunderst dich dar?ber dass ich keine Zukunft haben will, dass ich nur ein Jetzt und ein Hier und ein Ich und vielleicht nur manchmal ein Du will, und warum ich die ganze Zeit zum CD-Player renne um das Lied noch einmal abspielen lasse.
Du lachst ?ber meine Thesen, ich lache ?ber deine Worte und zusammen versinken wir und ob ich in dich verliebt bin will ich gar nicht wissen denn sowohl ein Ja als auch ein Nein k?nnte alles kaputt machen. Zusammen einschlafen zusammen aufwachen und mit dem ersten Augenschlag wei? ich dass auch du nicht meine Ewigkeit bist. Du k?sst meine Hand und ich f?hle mich nicht mehr wohl und dein Atem ist nichts weiter als eine Art Abgas dass mich st?rt. Du verstehst nicht, wie kannst du auch, und f?r Erkl?rungen bin ich zu w?tend, unwissend.

Nimm meine Hand, alles was z?hlt wird jetzt geschehen und passiert gerade. Ich kann nicht mehr ohne dich, ich lebe von dir und mit dir und kein Augenblick vergeht in dem ich nicht an dich denken muss. Wieso bist du ?berall dort wo ich bin? Wieso hilfst du mir so sehr obwohl ich dich noch nicht einmal kenne? Wieso denke ich mich tausend Charaktere f?r dich aus? Wieso kann ich es nicht erwarten dich zu sehen? Wieso rieche ich dich wenn du nicht da bist? Wieso sehe ich dich wenn doch jemand ganz anderes da steht? Wieso atme ich f?r dich wenn du mich vielleicht noch nicht einmal magst? Wieso richte ich schon unsere Wohnung und unser Leben ein? Vielleicht beantworten sich die Fragen gegenseitig und von selbst und doch gibt es f?r alle nur eine L?sung: weil du in der Luft bist die ich atme und in dem Wasser das ich trinke und in dem Leben das ich lebe bist du, und ich liebe dich, denn ich liebe dich, obwohl ich dich liebe, liebe ich dich trotzdem, anders und noch mehr und immer wieder und f?r immer, auf jeden Fall im Moment.


1.4.05 21:30


Der Regen rann die Scheiben im Bus hinunter. Die nasse Strasse reflektierte den Schein der Stra?enlaternen. Wenn der Bus an den Schaufenster der Stadt vorbei fuhr, konnte ich mein Spiegelbild erkennen; einen blassen Junge mit dunklen Haaren und einer schwarzen Jacke. Meine Brille hatte ich an dem Abend in meiner Jackentasche verschwinden lassen, sie n?tzte mir eh nichts bei dem Regen. Wieder ein Schaufenster.
Ich sa? hier jetzt schon seit ?ber einer Stunde und fuhr immer und immer wieder die gleiche Route. Schwarz. Ich kannte den Busfahrer gut, ich musste nicht bezahlen. W?re der Betrug herausbekommen w?re er sicher geschmissen worden. Aber kontrolliert wurde eh nicht, er arbeitete bei einer gro?en Busgesellschaft die sich den ein oder anderen Schwarzfahrer erlauben konnte.
Ich sa? in der letzten Reihe ganz hinten von mir aus links. Ich besetzte zwei Pl?tze, einen f?r mich, einen f?r meine F??e und meinen Rucksack. Der Bus war so gut wie leer, ab und zu stiegen eine alte Frau oder ein paar Betrunkene zu und wieder aus. Es war so wie meistens wenn ich hier war, und ich war hier oft.
Wieder einmal ert?nte Mozart aus den Boxen die an der Decke jedes zweiten Sitzes befestigt waren. Es war eine schlechte Aufnahme, die Kassette d?rfte schon ?lter sein. Es war seine einzige. Der Busfahrer hatte eine Vorliebe f?r Klassik, und sobald keiner mehr im Bus war au?er mir und ihm verwandelte sich der lange Raum in einen Konzertsaal.
Nachdenken konnte man hier, und nachdenken musste ich oft. Ich schloss die Augen und lauschte den Streichern.
Meine Eltern arbeiteten sehr viel, mehr als andere Eltern. Eigentlich arbeiteten sie immer. Meine Mutter war Anw?ltin in einer Kanzlei, mein Vater Arzt. ?ber zu wenig Taschengeld konnte ich mich nie beschweren.
Ich hatte noch nie viele Freunde gehabt. Ich war immer lieber mit mir allein gewesen, ich dachte immer ?ber zu viel nach, doch ich sagte das was ich dachte und ich glaubte an das an das ich glaubte, war es auch noch so unsinnig in den Augen anderer verlor ich doch nie meine Pers?nlichkeit die mich von den anderen, den Angepassten, unterschied. Anpassen, hatte ich einmal irgendwo gelesen, sei wichtig um sich zu entwickeln und um ein normales, ausgeglichenes Leben mit anderen Menschen f?hren zu k?nnen.
Ich entwickelte mich sehr gut, ich las viel und ich ?berlegte bevor ich handelte. Normal empfand ich als Beleidigung, ausgeglichen war ein Zustand in den ich Gott sei Dank noch nie abgerutscht war. Dennoch waren weder die Lehrer noch die Mitsch?ler oder meine Eltern je mit mir ausgekommen, waren nie zufrieden mit mir und meinem Leben gewesen.
Ich lebte alleine in meiner Welt, ich lebte alleine schon fast in einer eigenen Wohnung, mir geh?rte eine ganze Etage im Haus meiner Eltern. Ich wohnte direkt unter dem Dach, konnte mich nicht daran erinnern meine Eltern mehr als zwei Mal in meinem Reich gesehen zu haben.
Als ich f?nf Jahre alt war fing ich an meinen Tod zu tr?umen. Immer und immer wieder sah ich mich sterben.
Erz?hlt habe ich nie jemandem davon, wie viele es dennoch wussten, wei? nicht. Es war grausam. Tr?umte ich anfangs nur einmal im Monat, verk?rzten sich die Abst?nde zu Wochen, zu Tagen. Als ich in dem Bus sa? war es nun schon der zw?lfte Traum innerhalb einer Woche gewesen.
Es kamen immer andere Bilder auf. Zum ersten Mal starb ich dadurch das mich eine riesige Spinne auffra?. Seit ich mich erinnern kann hatte ich eine wahnsinnige Angst vor Spinnen. Doch die Tr?ume wurden immer realistischer, und auch die Umst?nde unter denen ich mein Leben zu f?hren pflegte wurden immer seltsamer. So tr?umte ich, ich st?nde vor dem Fenster meines Zimmer und sah hinab. Unten lief ein Hund, ein Schwarzer. Ich sah ihm nach. Pl?tzlich sp?rte ich hinter mir wie jemand mich an den Beinen fasste. Ich sp?re noch heute wie mein Herz stehen bleibt wenn ich an den Moment denke. Ich sah mich um und ich erblickte das Gesicht eines Mannes mit gelbblonden Haaren das lachte. Ich hatte schreckliche Angst, und w?hrend ich hinabst?rzte h?rte ich sein Lachen. Dann schlug ich auf.
Wie gesagt ver?nderte sich auch mein Leben dadurch sehr. Ich habe einmal von einem Menschen geh?rt, dass man durch Aufschreiben Sachen, die einen besch?ftigen und nicht mehr loslassen wollen, in ein anderes Licht stellt und durch sie lernen kann.
Ich habe einmal versucht sich aufzuschreiben. Nie wieder.
Ich setzte mich an meinen Computer und lie? im Hintergrund Beethoven laufen. Ich schrieb 19 volle DinA4 Seiten in Schriftgr??e 8. Als ich den letzten Satz geschrieben hatte und auf den Bildschirm sah bemerkte ich wie sich die Buchstaben nach und nach l?schten, wie wenn jemand die L?sch-Taste gedr?ckt hielte. Sie waren nicht alle mit einem Mal davon, sondern sie wurden von irgendjemandem gel?scht! Ich starrte entsetzt auf den Bildschirm, konnte mich nicht regen. Ich sah wie auch die letzten Buchstaben verschwanden und das endlose wei? zur?ckkehrte. Mein Herz raste. Ich hatte noch nie vorher so viel Angst gehabt. An dem Abend konnte ich den Computer nicht wieder ausstellen, meine H?nde zitterten so sehr dass ich mich gerade Mal mit gr??ten Anstrengung ausziehen und mich zu Bett begeben konnte.
Am n?chsten Tag befestigte ich drei Glocken vor meine T?r, so dass immer wenn jemanden den Raum betrat und die T?r ?ffnete Alarm geschellt wurde. Als ich nachts im Bett lag wurde ich auf einmal wach. Ich richtete mich schlaftrunken auf doch als nichts war legte ich mich wieder hin. Ich war gerade dabei wieder einzuschlafen als ich pl?tzlich ein feines Klingeln h?rte. Nur eines, obwohl ich drei Glocken aufgehangen hatte. Ich bekam Angst und traute mich nicht aufzustehen. Das Ger?usch der einen Glocke wurde immer lauter und schellte in meinen Ohren, und mit der Schnelligkeit mit der der Ger?uschpegel anstieg schlug auch mein Herz immer heftiger. Ich war wie gel?hmt. Endlich l?ste sich der Bann von mir und ich hielt mir mit beiden H?nden die Ohren zu. Dabei stie? ich ausersehen das Wasserglas das neben meinem Bett auf dem Nachtschrank stand um. Es zerbrach auf dem Boden, und im gleichen Moment verklang das Klingeln. Es wurde mucksm?uschenstill. Ersch?pft lie? ich mich zur?ck in die Kissen fallen und sp?rte wie mein Herz anfing langsamer zu schlagen. Wieso meine Eltern oder das Dienstpersonal nichts geh?rt hatten ist mir bis heute ein R?tsel.
W?hrend ich ?ber meine Vergangenheit nachgr?belte bemerkte ich, dass sich etwas ver?ndert hatte, das Licht im Bus war etwas dunkler geworden. Ich blinzelte und das Licht schien wieder heller. Sowieso schmerzten meine Augen als w?ren sie zu lange im Chlorwasser gewesen. Ich schloss sie. Von irgendwoher drang die Musik zu mir durch, sanfter und ruhiger, rhythmisch sp?rte ich meinen Atem und meinen Herzschlag h?rte ich sanft und gleichm??ig hervortreten. Mein Blut schien es den Geigen gleichmachen zu wollen und ich genoss das Rauschen das mich langsam in den Schlaf wiegte.
Ich war in einem dunklen Raum, von irgendwoher tropfte Wasser. Ich merkte wie der Schwei? mir die Stirn hinabfloss, er war wie Eis so kalt. Ich wollte husten, doch konnte ich den Mund nicht ?ffnen. Wo war ich? Wer hatte mich hierhin gebracht? Wer konnte mir helfen? Es gab nur eine Antwort auf eine der Fragen, Niemand. Niemand konnte mir helfen. Mir wurde hei? kalt, ich atmete heftiger und merkte wie sich die Fesseln die meine Arme hinter meinem R?cken festbanden sich strammer zogen. Der mich hierhin verschleppt hatte, musste hinter mir sein. Ich geriet in Panik und versuchte zu schreien. Nichts. Meine Kehle schien so trocken als ob man mir Salz zu essen gegeben h?tte. Pl?tzlich erhellte sich der Raum. Ich sah Licht flimmern. Eine Kerze, war mein erster Gedanke, ein Feuer mein zweiter. Pl?tzlich trat eine Gestallt vor mir. Sie verdeckte ihr Gesicht mit einer Kapuze, ich konnte nur sein Kinn und seinen Mund erkennen. Er sagte nichts zu mir, er hob nur seine Hand und streckte einen Finger hinaus wie als ob er auf etwas zeigen wolle. Mein eigener Arm erhob sich willenlos und er umfasste mich beim Handgelenk. Das Gef?hl seiner Finger war schrecklich. Sie f?hlten sich an wie gl?hende Kohlen, nur tausendmal so schlimm. Sie f?hlten sich nicht hei? an, ich f?hlte keine W?rme seines K?rpers. Sie waren kalt, so kalt wie mein Schwei?. Auf einmal ?berkam es mich auf erschreckenste Art und Weise, war es doch kein Schwei? der meine Wangen entlang rann, war es doch mein eigenes Blut! Der Mann nahm ein Skalpell?hnliches Messer und dr?ckte es an die untere Seite meines Armes. Schmerz ?berstr?mte mich und mir wurde schlecht. Mit einem tiefen Schnitt zertrennte er meine Blutbahn und ich sp?rte wie der Lebenssaft hinausfloss. Der Mann schlug seine Kapuze zur?ck. Ich erschrak. Es war derselbe blonde Mann der mich schon vorher so oft gequ?lt hatte. Angst ?berkam mich als ich sp?rte wie mein Blut kalt wurde, k?lter fast als die H?nde des Mannes.
Ich schrak auf. Meine H?nde und mein Gesicht waren nass. Ich wischte mir ?ber die Stirn. Kein Tropfen Blut. Mir wurde was schlecht vor Gl?ck. Auf der gegen?berliegenden Stra?enseite erblickte ich mein Bild im Schaufenster, ich sah wei?er aus als sonst, soweit ich es erkennen konnte. Mit der einen Hand umfasste ich das andere Handgelenk. Ich strich langsam auf und ab. Ich schauerte, sp?rte ich doch einen feinen Einschnitt den man fast nicht sah und sp?rte, doch f?hlten ihn meine Fingerkuppen. Ich schwor mir nie wieder zu schlafen. Ich schwor mir nie wieder zu sterben.
Es regnete immer noch in Str?men. Ich sah die Stra?e wie einen sanften Fluss und mich selbst in einer Gondel, anstatt in einem Bus. Nun ist es gewagt eine Gondel mit einem Bus zu vergleichen, dennoch h?rte ich. , wie sich sanfte Wellen an der Seite brachen.
Montags ging ich schwimmen. Immer Sonntags plante ich meine Woche, und jeder ersten Tag der Woche war f?r das Schwimmen verbucht.
Als ich kleiner war hatte ich ein Kinderfr?ulein. Frau Klein hie? sie, doch Frau Kleinlich h?tte es besser getroffen. Sie war schon etwas ?lter, ich sch?tze so um die 60 und sie war sehr genau in allen Sachen, sogar in den unwichtigen. Bei ihr war alles genau geregelt. Hielt man sich nicht an ihre Vorschriften wurde man zu einer Gefahr, die erkannt, besch?tzt, verpetzt, bestraft und damit vernichtet wurde.
Nun hatte Frau Klein es sich zur Aufgabe gemacht dem kleinen Jakob das Leben schwer zu machen, also erkl?rte sie meinen Eltern der Junge brauche Sport wenn er zu einem richtigen Mann heranwachsen wolle. Ob der Junge wollte wurde nicht gefragt. So gingen wir jeden Montag schwimmen. Und auch nachdem Frau Klein mich als ich 12 Jahre alt war als mein letztes Kinderm?dchen verlie? hatte sie doch etwas auf mich abgef?rbt, n?mlich, dass ich jede Woche den genauen Ablauf plante, und jeden Montag schwimmen ging.
So war es auch vor ein paar Monaten gewesen. Ich machte mich auf den Weg zum Baggersee, der etwa 10km weit entfernt von unserem Haus lag. Der See lag still und verlassen da. Die anderen Menschen die hier sonst zu schwimmen pflegten schien das Wasser heute zu kalt oder der Morgen zu fr?h zu sein. Mir war es gleich, hatte ich sowieso keine Lust mir von albernen M?dchen die Haut vom Leibe glotzen zu lassen noch mich mit einem Passanten zu unterhalten, schon gar nicht mit einem gleichaltrigen.
Das Wasser war tats?chlich kalt und die ersten paar Z?ge legte ich nur unter dem Gef?hl jeden Moment ohnm?chtig werden zu m?ssen zur?ck, doch nach ungef?hr f?nf Minuten f?hlte ich mich wie ein Fisch. Ich schwamm weiter hinaus und strebte wie ?blich das n?chste Ufer an. Ich wusste dass der See tief war und ich schon in der Mitte nicht mehr stehen konnte, doch schwamm ich diese Strecke wie schon erw?hnt jeden Montag und so hatte ich keine Angst.
Als ich in der Mitte angekommen war merkte ich, wie sich das Wasser um mich herum leicht anfing zu kr?useln und kleine Wellen zu schlagen. Es konnte nicht von meinen Bewegungen kommen, da diese kleinen Wogen sanfter und gleichm??iger waren als mein kraulen, auch regte sich kein Wind. Ich dachte nicht weiter dar?ber nach und schwamm weiter. Sicher, das Kr?useln des Wassers war ungew?hnlich, jedoch nicht au?ergew?hnlich.
Als ich die tiefste Stelle des Sees erreicht hatte merkte ich, wie das Wasser bei meinen F??en immer k?lter wurde. Ich versuchte etwas zu erkennen, doch das gelblich-braune Wasser erschwerte meine eh schon schlechte Sicht. Pl?tzlich fasste mich etwas an meinem rechten Fu?gelenk und riss mich unter Wasser. Wie ein Krokodil fasste es zu. Ich sah verzweifelt und panisch gen Wasseroberfl?che die sich immer weiter entfernte und trat um mich. Wie lange w?rde ich es ohne Luft aushalten? Ich gab mir eine Minute, nicht l?nger. Erst w?rde ich ohnm?chtig werden, dann... . Auf einmal lie? mich das Wesen los und ich kam in letzter Sekunde an die Oberfl?che wo ich ersch?pft nach der kostbaren Luft schnappt die mich am Leben erhielt. Es war ein wundersch?ner Augenblick wieder den eigenen Atem zu sp?ren, doch konnte ich ihn nicht genie?en. Ich schwamm so schnell ich konnte zum Ufer zur?ck. Ich ging an diesem Tag um den See herum. Es war ein langer Weg, doch ich zitterte immer noch am ganzen K?rper als ich endlich nach Hause kam. Erst als ich mich umzog bemerkte ich, dass mein Fu?kn?chel ?bers?t von kleinen saugnapf?hnlichen Abdr?cken war die h?llisch brannten. Das dies alles wirklich passiert war, sp?rte ich erst am n?chsten Morgen ganz deutlich. Dieses war der erste Mordanschlag auf mich. Weitere sollten folgen. Seit dem Tag ging ich keinmal mehr zum See.
Ich sah zu meinem Rucksack. Er war schwarz und schon etwas zerwetzt, dennoch tat er seinen Dienst. Ich ?ffnete ihn und holte mir eine Flasche Wasser heraus. Ich trank sie mit einem Zug halb leer. Meine Kehle f?hlte sich so trocken an, als h?tte ich sehr viel gesprochen, zuviel erz?hlt. Ich sah wieder nach drau?en. Die schwarze Stra?e, der Regen, die Nacht, das alles sah sch?n aus, doch l?ste es in mir eine etwas depressive Woge von Gef?hlen aus.
Ich war nie ein normales Kind gewesen. Noch nie hatte ich mich in der Gesellschaft gleichaltriger wohl gef?hlt, sowieso f?hlte ich mich nie zu irgendeinem Menschen hingezogen. Vielleicht war es so zu erkl?ren, dass ich mich nie in ein M?dchen verliebte, sondern immer in Dinge die dieses M?dchen besa?. Ich kann nicht behaupten ich w?rde einen Anh?nger lieben k?nnen wie ein Mensch einen anderen, doch erf?llte mich ein komisches Kribbeln wenn ich dieses Gegenstand sah. So geschah es, dass ein M?dchen namens Pauline in meine Klasse ging. Dieses M?dchen besa? einen Stift der mich magisch anzog. Ich war damals zw?lf Jahre alt und ?berlegte nicht bevor ich ihr diesen Schreiber entwendete. Damit nahm einen ganze Woge von Geschehnissen deren Erinnerung mich noch heute qu?lt seinen Lauf. Die Eltern des M?dchens standen noch am selben Tag vor unserer T?r und verlangten auf schon fast unversch?mte Weise das von mir eingesteckte Schreibger?t zur?ck. Mein Vater und meine Mutter waren entr?stet und gaben an ich w?re, sie nannten es erzogen, ich w?rde es eher ern?hrt und geduldet nennen. Erst als ich ihr den Stift zur?ckgab ergoss sich ihr Strudel an Wut den zuvor die Eltern Paulines ertragen mussten auf mich.
An dem Abend bekam ich die ersten Pr?gel meines Lebens, nicht von einem Jungen der mich auf dem Schulhof zusammenschlagen wollte, sondern von einem Vater, denn ich war erzogen.
Ich merkte wie mein R?cken anfing zu schmerzen und ver?nderte meine Haltung. Drau?en schossen die Lichtpunkte der Lampen wie Sternschnuppen an mir vorbei.
Nach einer schmerzvollen Nacht war dann wieder alles so wie vorher. Meine Eltern waren wieder arbeiten, die Putzfrauen w?teten durch das Haus und ich verkroch mich in meinen vier W?nden in denen ich jede St?rung von au?en schon als kleines Kind strengstens untersagt hatte. Einmal in der Woche, an einem Mittwoch um genau 16 Uhr durfte meine Wohnung gereinigt werden, den Rest der Zeit war mein Reich ein Tabu f?r das Hauspersonal. Zu meinen Zimmern f?hrte eine einfache Treppe. Ich hatte mir sie zu meinem Geburtstag gew?nscht, hielt ich die vorherige Leiter die meine Wohnung mit dem Rest der Welt verbanden doch nicht mehr aus.
Diese neuere Treppe quietschte noch dazu, was mich sehr freute da ich nun jeden einzelnen Schritt der auf dieser getan wurde schon von weitem h?rte und vorgewarnt sein gedachte. Schon in der ersten Nacht bereute ich die Entscheidung die Treppe einbauen zu lassen. Die Stufen knarrten ununterbrochen und es dauerte nicht lange das ich wieder aufwachte obwohl mein K?rper sich noch so sehr dem Schlaf entgegensehnte. Auf einmal, ich glaube es war um ca. drei Uhr wurde ich von leisen Stimmen geweckt. Sie sprachen zueinander doch ich verstand nichts. Ich richtete mich in meinem Bett auf, die Stimmen verklangen, pl?tzlich ?ffnete sich meine T?r einen Spalt breit und obwohl ich kein Licht im Flur zu halten pflegte drang nun ein heller Schein hinein. Ich merkte wie kalt-hei?e Schauer ?ber meinen K?rper flossen und ich anfing zu schwitzen und zu zittern. Meine Hand tastete nach dem Lampenschalter neben meinem Bett. Ich bet?tigte ihn, doch nichts passierte, ich versuchte es noch einmal. Kein Licht. Ich legte mich wieder hin und schloss die Augen. Ich wusste, dass wenn ich sie ?ffnen w?rde ich Sachen sehen w?rde deren Anblick ich mir ersparen wollte. Schlie?lich hielt ich es nicht mehr aus. Ich ?ffnete die Augen und sah das von mir erwartete, in jeder Ecke in jedem Winkel sah ich Gestalten, Schatten. Ich hatte Angst, wollte nur noch weg. Ich stand auf. Meine F??e schwitzen kalt und ich tapste zur T?r. Meine Hand ber?hrte die Klinke und zuckte zur?ck, sie war eiskalt. Mit spitzen Fingern ?ffnete ich die T?r und betrat den dunklen Flur. Wo war das Licht geblieben? Egal. Ich ging weiter und sp?rte schon das Treppengel?nder. Ich betrat die erste Stufe, von unten h?rte ich das Knarren lauter den je. Die zweite, mein Herz raste und meine Augen und Ohren taten weh vom h?ren und vom nicht sehen k?nnen. Pl?tzlich hielt mich etwas am Fu?gelenk fest und ich fiel die Treppe hinunter, doch w?hrend ich fiel sah ich zwei gelb leuchtende Augen von oben und ich h?rte ein grausames und zugleich siegessicheres Lachen. Ich schlug auf. Alles schwarz.
Der Bus machte eine Kurve und ich wurde hart in meinen Sitz gedr?ckt. Ich nahm mir wieder die Wasserflasche und trank einen Schluck. Mit einem dramatischen Anstieg der Geigen wurde mir klar, dass ich hier bald schon seit zwei Stunden sa?. Ich dachte dar?ber nach zu gehen. Wo waren wir ?berhaupt im Moment? Ich sah nach drau?en, wieder tanzten die Stra?enlaternenlichter fr?hlich an mir vorbei und ab und zu konnte ich auch ein paar verschwommene davonhuschende Menschen sehen.
Ich sah durch das Busfenster nach oben zu den Sternen.
Ich wachte erst im Krankenhaus auf. Meine Stirn war hei? und ich schwitzte, konnte mich fast nicht regen. Mein Kopf tat h?llisch weh. Ich hatte mit nichts gebrochen, doch einen Schock und ein paar Prellungen erlitten, erfuhr ich durch meine Mutter. Ich sagte nichts, starrte nur ununterbrochen an die Decke meines Zimmers. Die vert?felte Wand kam mir bekannt vor, die Pr?gungen, das Gerippe der einzelnen Bretter. Mich ?berkam ein Fr?steln. Wo hatte ich dieses schon einmal gesehen? Dies alles konnte doch unm?glich etwas sein an das sich meine Erinnerung seit Jahren geklammert hatte, die Decke konnte ich noch nie zuvor gesehen haben.
Ich entspannte mich wieder. Wahrscheinlich war es nur eine Einbildung. Meine Mutter sah mich an. Ich blickte in ihre Augen, sie waren m?de und leer, so als w?re ich die Leiche ihres Sohnes den sie noch nicht mal kannte die gerade aus einem See geborgen w?rde. Sie setzte an etwas zu sagen, stockte dann aber. Sie holte tief Luft. “So kann das nicht weiter gehen, Jakob. Dein Vater und ich, ich mache mir Sorgen um dich. Du bist so...”, sie stockte als ob sie das richtige Wort erst suchen m?sste, “so anders. Jakob, es ist so seltsam mit dir. Keiner wei? was mit dir los ist, keiner wei? was du denkst.” Ich sagte nichts schaute sie nur gleichg?ltig an. Ihre Worte hatten in mir so etwas wie einen Sto? zur?ck hervorgerufen. Meine Mutter redete weiter: “Wir haben vor dich zu einem Psychiater zu schicken. Es muss ja nicht f?r lange Zeit sein, aber...” Sie h?rte auf als sie merkte das ich mich zur Seite gedreht und ihr so den Weg zu mir abgeschnitten hatte. Sie stand auf. “Jakob, du musst noch eine Nacht zur Untersuchung hier bleiben. Morgen fr?h gehst du dann. Du kennst ja den Weg, du bist alt genug. Gibt es irgendwelche Probleme ruf zu Hause an, wie haben ja das Personal.” Sie ging ohne ein weiteres Wort. Ich erwischte mich dabei, dass ich dar?ber nachdachte welche Person jetzt gespielt war und welche nicht. War sie tats?chlich besorgt? Egal. Ich legte mich wieder auf den R?cken und sah zur T?r. Es war schon Abend und eine halbe Stunde sp?ter bekam ich mein Essen, welches ich ohne zu z?gern nicht anr?hrte. Ich wusste, dass wenn die Schwestern sehen w?rden, dass ich nichts gegessen hatte ich mich den Rest meiner Zeit hier keine einzige Minute mehr sicher wissen w?rde, also nahm ich den Toast, kr?melte etwas auf meinen Teller, bestrich ihn dick mit Marmelade und klebte ihn unter meinen Nachtschrank. Nun musste ich mich dazu aus meinem Bett erheben, denn w?rde ich ihn einfach so in die Schublade legen w?re es zu auff?llig. Mein Kopf tat schrecklich weh, doch als ich wieder im Bett lag f?hlte ich mich besser als vorher. Viele Jungen in meinem alter machte so etwas Spa?. Sie nannten es Streiche oder Scherze, doch ich tat dieses um mich zu sch?tzen, nicht um anderen ?rger zu bereiten. Sicher, mein Nachfolger w?rde weniger Freude daran haben, dennoch musste ich dieses Risiko eingehen. Die Schwestern waren zufrieden mit mir und lie?en mich f?r den Rest des Abends in Ruhe. Vom Bett aus beobachtete ich uninteressiert die Leute im Park. P?rchen gingen spazieren, Rentner und kleine Kinder f?tterten die Enten und Schw?ne, nirgends war ein anderer zu sehen, ein anderer so wie ich. Ich suchte ihn in jeder Person dort drunten, doch konnte ich keinen entdecken. Mir war es gleich, dass das Licht langsam immer schwacher wurde und ich schaltete auch nicht die Lampen an. Als das Licht nur noch rauchig in mein Zimmer drang bemerkte ich zum ersten Mal wieder die Decke. Sie lie? mich schaudern, mich Fragen stellen. Ich wollte sie nicht sehen, konnte meinen Blick aber dennoch nicht von ihr wenden. Mein Blick huschte von einer Ecke zur anderen, tastete die Rillen zwischen den Brettern ab, nichts. Ich bemerkte nicht wie ich einschlief, wie ich entglitt in einen traumlosen Schlaf.
Mitten in der Nacht wachte ich auf. Es war stockdunkel. Irgendwo bellte ein Hund. Ich sah zur T?r, sie war geschlossen. Kein Schimmer Licht ber?hrte mein Zimmer. Irgendetwas zwang mich meinen Blick auf die Decke zu richten. Mein Atem stockte. Ich sp?rte wie ich zu Zittern begann und wie ich anfing zu schwitzen. Mein Magen verkrampfte sich und mir wurde ?bel vor Angst. Dor oben an der Decke ergaben sich die Bretter zu Zeichen, zu leserlichen Buchstaben und Zahlen. Dort droben stand etwas geschrieben in roten Lettern die leuchteten und dennoch keinen Schein warfen. Es schien so als ob sie von etwas angestrahlt wurden, selbst aber kein Licht spendeten. Oder als ob jemand sie leuchten lie?. Mein Augen huschten ?ber die Buchstaben, ich sp?rte wie mein Herz raste. Ich konnte es lesen, doch ich sah noch keinen Sinn in den Worten. Mein K?rper zuckte zusammen als ich es erkannte. Dort droben stand in roten Buchstaben mit einer Schrift wie sie ein kleines Kind hat:
JAKOB! 13.4. SIEH ES AN, SCHAU NICHT FORT. IN EWIG, AUF EWIG. 13.4. JAKOB!
Ich schaltete das Licht an. Als ich wieder zur Decke sah, stand dort nichts mehr. Ich verdunkelte das Zimmer wieder. Die rote Schrift war fort. Ich legte mich wieder richtig hin. Mein Herz raste immer noch und ich zitterte am ganzen Leibe. Erst als ich mich einigerma?en wieder beruhigt hatte versuchte ich einzuschlafen. M?de drehte ich mich auf die linke Seite und schloss die Augen. Der Hund hatte aufgeh?rt zu bellen, es war alles still. Ein letztes Mal ?ffnete ich die Augen. Mein Blick traf die T?r und mein Herz blieb stehen. Ich merkte wie das Blut schneller durch meine Adern rauschte. Die T?r war einen Spalt weit auf.
Die T?ren des Busses ?ffneten sich tr?ge. Eine Frau stieg zu, die Musik verstummte. Ich seufzte.
Wieder zu Hause angekommen legte ich mich, wie der Arzt es verordnet hatte, ins Bett. Mein Schlafzimmer war wohl das komischste an meiner ganzen Wohnung. Als ich hier einzog war es wei? gestrichen, doch im Laufe meines Lebens hatte ich es mir zum Zeitvertreib gemacht die Tapeten mit Filsstiften schwarz anzumalen. Nur noch kleine Flecken wei? leuchteten hervor und es sah ein wenig aus wie ein Sternenhimmel wenn man hineintrat. Die schr?gen Seitenw?nde machten das Bild der Milchstra?e noch vollkommender. Wie schon erw?hnt war es meinen Eltern gleich was ich mit meinen Tapeten anstellte, Hauptsache war, es sch?digte nicht ihren Ruf, und da ich weder Freunde noch sonstige Bekannte besa? war dieser nicht weiter gef?hrdet.
Das Geschehen der letzten Nacht hatte mich unruhig gemacht und ich gr?belte dar?ber nach ob es nun eine Sinnest?uschung gewesen war oder ein Traum. Realit?t? Mein Kopf war immer noch nicht wieder ganz in Ordnung und bewegte ich ihn nur ein wenig kam es mir vor als w?rde mein Hirn mit den Sch?delw?nden zusammensto?en.
So ?berlegte ich hin und her bis ich mir schlie?lich mit dem Gef?hl eines platzenden Gro?hirns einen Stift und einen Sto? Papier holte. So legte ich mich wieder in mein Bett das in der rechten Ecke hinten stand und begann mir Notizen zu machen. Zuerst schrieb ich die Worte auf:
JAKOB! 13.4. SIEH ES AN, SCHAU NICHT FORT. IN EWIG, AUF EWIG. 13.4. JAKOB!
Dann begann ich ?ber jedes einzelne Wort nachzudenken und es zu interpretieren.
Das erste JAKOB! war ohne Zweifel als Anrede zu verstehen. Der 13.4. war mein Geburtsdatum. Was es hiermit zu tun hatte wusste ich nicht, vielleicht war es nur eine n?here Bestimmung damit ich wusste, dass ich gemeint war. Dabei fragte ich mich, ob diese Zeichen auch wirklich an mich gerichtet waren. War es nicht nur Zufall gewesen, dass ich genau in dieses Zimmer, in diesem Krankenhaus, in dieser Nacht dort liegen w?rde? Ich ?bersah die Fragen und ging weiter. SIEH ES AN, SCHAU NICHT FORT. Eine Aufforderung? Was sollte ich ansehen? Wieso sollte ich wegsehen? Ich dachte an den Abend an dem ich die Treppe hinabgefallen war. Hatte ich mich da nicht verkriechen wollen? Hatte ich da nicht die Augen nicht aufmachen wollen aus Angst vor dem Anblick der sich mir bot? Hatte ich mich nicht die ganze Zeit zu verstecken versucht? Wollte ich nicht die ganze Zeit NICHT HINSEHEN? Dieses musste einfach ein Gehei? sein f?r die Zukunft. Doch wer forderte mich auf? War es dieser blonde Mann aus meinen Tr?umen? War es jemand der mich hasste und mich ins Ungl?ck jagen wollte, oder war es jemand, jemand... der mir helfen wollte? Jemand der mit helfen konnte? Mein nat?rlich angeborener Pessimismus kehrte zur?ck. Dieses Spiel war eine Partie die ich alleine auszubaden hatte. Es gab nur zwei Parteien, ich und meine Tr?ume. Ich und der blonde Mann. Der St?rkere sollte gewinnt, der Schw?chere sei verdammt. Regeln gab es keine, nur das der blonde Mann mir anscheinend ?berlegen war, er wusste wie er mich zu Fall brachte und mir Angst einjagte. Ich wusste nichts ?ber ihn, er aber alles ?ber mich? Und was war das Ziel? Wer am l?ngsten durchhalten w?rde, w?re der Sieger?
IN EWIG, AUF EWIG. Abschiedsworte? Ein Zeitraum der das Spiel eingrenzen sollte? Auf ewig? In ewig? Ich ?berlegte, konnte aber keinen weiteren Sinn darin finden.
Wieder der 13.4., mein Geburtsdatum. Vielleicht war es der Tag an dem der Verfasser dieser Nachricht diese geschrieben hatte? April war schon seit Monaten vorbei, die Mitteilung musste also schon ?lter sein. Wieso war sie erst so sp?t angekommen? Ich malte auf dem Papier herum und machte mir Notizen ?ber alle meine ?berlegungen. Der Blatt war jetzt schon ?bers?t mit Stichworten und kleinen Malereien, die mal eine kleine Glocke mal eine Treppe darstellen versuchten.
JAKOB! Eine Art Unterschrift? Wurde sie etwa von mir selbst am Tag meiner Geburt geschrieben? Das konnte nicht sein und ich verwarf diesen albernen Gedanken. Vielleicht war dies eine Weitere Aufforderung. So Wie JAKOB! JETZT MACH SCHON. Oder so ?hnlich.
Ich sah den Zettel noch einmal an, dann legte ich ihn auf meinen Nachtschrank und schlief ein. Als ich wieder aufwachte war alles um mich herum voller Rauch. Es stank nach etwas Verbranntem und ich musste meine Augen, die von dem Qualm tr?nten erst zwingen sich zu ?ffnen bevor ich sowieso irgendetwas tun konnte. Schnell fand ich die Quelle, mein Nachttisch stand in Flammen. Ohne zu ?berlegen, fast schon aus Reflex kippte ich den Inhalt der Wasserflasche die ich zuvor zu meinem Gl?ck nicht auf den Nachtschrank wie gew?hnlich sondern neben mein Bett gestellt hatte auf das Feuer. Es erlosch und ich musste erst eine halbe Stunde lang l?ften bevor ich mir das Unheil richtig bei vollem Bewusstsein besehen konnte. Die Kerze die ich auf meinem Nachttisch stehen zu haben pflegte, jedoch noch nie in Gebrauch genommen hatte, hatte sich allen Anscheins nach entz?ndet und war ungew?hnlich schnell hinabgebrannt, so hatte sich das Feuer auf die Bl?tter ?bertragen. Der Schaden war nicht allzu gro?. Die Abstellplatte des Schrankes war leicht verkohlt, ich verdeckte sie mit einem Tuch, viel gr??ere Schwierigkeiten bereiteten mir die Aufkl?rungsversuche. Wer hatte die Kerze entz?ndet, und wann? Wie hatte die Kerze so schnell hinabbrennen k?nnen, und wie lange hatte ich ?berhaupt geschlafen? Ich sah auf die Uhr, es war kurz nach drei und auch das Datum war noch das vom Morgen, also war ich keinem tagelangen Schlaf verfallen gewesen.
Eine schwarze Blockkerze konnte doch nicht einfach so in drei Stunden abbrennen!
Ich beauftragte eine unserer Hausm?dchen eine weitere Kerze dieser Art zu kaufen, nat?rlich nannte ich nicht den Zweck oder den Grund dieses Anliegens. Die Kerzen waren in einem besonderen Gesch?ft unser Stadt zu bekommen. Sie waren teuer und nicht jedermann hatte solch eine bei sich im Wohnzimmer stehen.
Diese Kerze z?ndete ich also an um zu sehen wie schnell sie abbrannte. Nach drei Stunden war sie noch nicht einem zu einem Viertel verbrannt, es konnte also unm?glich sein, dass sie in dieser kurzen Zeit dem Feuer zum Opfer gefallen sei.
Ich ?berlegte weiter. Vielleicht ergab sich jetzt eine Antwort darauf, wer mir diese Nachricht hatte zukommen lassen. Wenn etwas B?ses mir die Nachricht zukommen lassen hatte w?rde sie sie wohl kaum wieder in Brand stecken. Und so ergab es sich auch andersrum, also musste es wohl noch zwei h?here Parteien geben und ich und meine Tr?ume waren nur die Spielfiguren? Ich sch?ttelten den Kopf und bereute diese Bewegung sofort. Es gab nur mich und meine Tr?ume, mehr nicht. Ich nahm mir vor nicht weiter ?ber eine gute und eine b?se Macht nachzudenken. Das B?se und das Gute sind im Menschen selbst, habe ich einmal gelesen.
Pl?tzlich kam mir ein anderer Gedanke. Der 13.4. war der Tag an dem ich geboren worden war, ich JAKOB! Es stand am Anfang. JAKOB! 13.4. Und es stand am Ende! 13.4. JAKOB! Der Anfang - das Ende. Geburt - Tod? Ich schauerte.
Mein Gesicht f?hlte sich sowohl hei? als auch kalt an. Ich schwitzte ohne einen richtigen Grund daf?r finden zu k?nnen. Der Bus hielt wieder und die Frau stieg aus. Sofort erklang wieder Beethovens 9. Sinfonie. Ein wenig erleichtert machte ich mich wieder auf den Sitzpolstern neben mir breit und streckte meine F??e auf den staubigen Sitzen.
Wie ich schon bei der Sache mit dem Stift erw?hnte folgte eine schwere Zeit f?r mich. An dem Tag nachdem mein Nachtschrank abgebrannt war sollte nachmittags der von meinen Eltern bestellte Psychiater kommen. Keine Sekunde zu sp?t stand der auch schon neben meinem Bett und begutachtete mich. Er war ein gut gekleideter Herr von ungef?hr 54 Jahren. Ich sch?tzte ihn f?r eine Art Mensch bei dem man sich nie sicher sein konnte ob man jetzt einen Teddyb?r oder einen zu friedlichen Mann vor sich hatte. Er hatte kleine schwarze Knopfaugen und einen wei?en Bart den er sich auf vielleicht 5 cm L?nge rasiert hatte. Er sah mit der Kombination von wei?em Haar, Brille und Bart vielleicht ein wenig aus wie der Weihnachtsmann, dennoch nahm ich ihn ernst und h?rte ihn an. Er f?hrte ein ausgiebiges Gespr?ch mit mir welches sich auf zwei Stunden erstreckte, wohl gemerkt, er f?hrte es mit mir, ich schwieg. Diese Unterredung hatte keine au?erordentliche Wirkung in mir hervorgerufen und ich versp?rte keinen Drang sie in n?chstliegender Zeit weiterf?hren zu wollen, dennoch stand er am n?chsten Tage wieder vor mir. Nachdem er zwei Wochen lang Tag f?r Tag sich mit mir unterhalten hatte schien er endlich gemerkt zu haben, dass ich keinen Wert darauf zu legen pflegte mir meinen Seelenfrieden von einem anderen Menschen begutachten zu lassen. Eine ganze Woche lang lie? er mich in Ruhe und ich fing schon zu hoffen an er m?ge gar nie mehr wiederkommen, da stand er eines morgens wieder frisch und munter und zu neuen Gespr?chen erregt vor mir und erz?hlte mir von allem m?glichen. Ich muss zugeben das ich kein wirklich guter Zuh?rer war, aber daf?r ein sehr ehrlicher. Man sah es mir sofort an wenn ich mich anfing zu langweilen. Nicht das mir diese Eigenschaft je missfallen h?tte, doch beleidigte sie die anderen Menschen anscheinend sehr.
Nach einer weiteren Woche wusste ich wie sein Goldfisch hie? und welches Futter er am liebsten mochte.
Nun sa? der Arzt eines Tages wieder mir gegen?ber. Er erz?hlte mir wieder einmal von dem kleinen Jungen dem es so schlecht ging und der eines Tages eine gute Fee kennen lernte. Unvermittelt und f?r mich tats?chlich ein wenig ?berraschend stellt er auf einmal die Frage, was ich denken w?rde wenn ich in einen Spiegel s?he. Diese Frage hatte ich tats?chlich nicht erwartet, dennoch und vielleicht sogar gerade deswegen traf sie mich mit voller Wucht, denn genau mit dieser Sache hatte ich mich eine zeitlang intensiv besch?ftigt.
Ich glaube ich habe das erste Mal einen Spiegel mit vollem Bewusstsein wahrgenommen als ich elf Jahre alt war. Mein Spiegelbild schockierte mich damals sehr. Tagelang stand ich vor dem Spiegel im Badezimmer und sah mich an. Es faszinierte mich. Besonders meine Augen brachten mich in Verwirrung, waren sie doch so schwarz und so unendlich tief und rein. So unheimlich und geheimnisvoll wie sie waren fand ich Gefallen an ihnen. Ich hatte damals immer das Gef?hl man k?nne durch meine Augen tief in mich hineinschauen, sie spiegelten meine Seele wieder. Deswegen sah ich Menschen denen ich misstraute meistens nicht in die Augen aus Angst sie k?nnten mich und meine Geheimnisse aussaugen, sie k?nnten mir sie stehlen.
Der Arzt bemerkte wie ich auf diese Frage reagierte und mit einer Art Zufriedenheit in seinem Gesichtsausdruck verlie? er das Zimmer. Zur?ck lie? er einen verst?rten Jakob der sich ausgesaugt f?hlte und nicht wusste ob er jetzt alles verloren oder etwas gewonnen hatte.
Ich sah nach drau?en. Der gro?e Zeiger der Kirchturmuhr deren Beleuchtung ein etwas schauerliches Licht auf sie warf klickte auf die zw?lf wo er mit dem kleinen Zeiger zusammen eine Minute verharren sollte. Die Glocken im Turm fingen an zu l?uten. Ich z?hlte mit. Erst als der letzte Glockenschlag verhallt war konnte ich mich weiter auf meine Erinnerungen konzentrieren.
Von da an wurden f?r mich die Gespr?che die der Arzt mit mir zu f?hren pflegte ein Genuss. Ich am?sierte mich k?stlich ?ber die mir sehr willkommenen Fragen und die Themen regten mich an nachzudenken. Sprechen tat ich nie, ich brauchte es auch nicht. Er stellte die Fragen, ich ?berlegte. Die Zeit geh?rte zu den besten meines Lebens. Zwischen mir und dem Arzt schien sich eine Freundschaft aufgebaut zu haben, ich fing an ihm nicht mehr so sehr zu misstrauen. Er war der erste Mensch mit dem ich reden wollte. Meine Tr?ume waren so gut wie fort in dieser Zeit und ich ?berlegte ob nicht er es sein k?nnte der mir die Nachricht hinterlassen hatte. Ich verwarf diesen Gedanken, hoffte aber er k?nne mir helfen das Spiel zu gewinnen oder es wenigstens auszugleichen.
Eines Tages nahm ich mir vor mit ihm zu reden, auf seine Fragen m?ndliche Antworten abzulegen. Er kam nicht. Auch die n?chsten Tage verstrichen ohne ein Zeichen. Irgendwann erfuhr ich durch ein Dienstm?dchen das sich mit einem anderen unterhielt, dass er w?hrend er schlief, einen Herzinfarkt bekommen und daran gestorben sei.
Er war der erste Mensch den ich anfing zu hassen. Er hatte mich verlassen und ich f?hlte mich im Stich gelassen und das gerade als es anfing zu funktionieren. Mir war von Anfang an klar das keine Herzkrankheit daran Schuld zu tragen hatte.
In dieser Nacht tr?umte ich wieder.
Zwei maskierte M?nner stiegen durch mein Fenster. Ganz in schwarz geh?llt lag ich schlafend in meinem Bett, nur meine blasse Haut stach im Kontrast heraus. Sie traten an mein Bett und fingen an mich auszulachen, mich zu treten und zu schlagen. Als ich aufgewacht war zog der eine ein Messer. Es hatte eine rostige Klinge und schien sehr stumpf zu sein. Damit zerschnitten sie mir mein Gesicht. Ich blutete ?berall. Die beiden M?nner schleppten mich zu ihrem Auto und fuhren zu einem See. Ich konnte mich nicht r?hren, nicht wehren. Ich hatte Angst, panische Angst. Sie paddelten mit einem Boot auf den See hinaus. Ich lag auf dem Boden, zwar nicht gefesselt, aber durch die Schl?ge und die Schnittwunden immer noch bet?ubt. Irgendwo auf dem See banden sie mir meine F??e und Arme zusammen. Als ein gefesseltes B?ndel warfen sie mich ?ber Bord. W?hrend ich hinabsank konnte ich ?ber der Wasseroberfl?che sehen wie sie die beiden M?nner die Masken abzogen. Der eine war der blonde Mann, der andere... ich schluckte Seewasser, wollte husten, mich ?bergeben, der andere war der Arzt.
Der Bus hielt an einer Ampel. Das orangerote Licht der Stra?enlaterne flutete in den Bus hinein. Es war ein merkw?rdiger Anblick der mir nicht gefiel und ich wollte meine Gedanken schon wieder auf etwas anderes richten als mir etwas komisches Auffiel. Die eine Seite des schwach beleuchteten Busses war beschienen, die andere nicht. Das war nicht weiter seltsam, doch merkte ich eine kleine Ver?nderung in meiner Ecke. Das Licht reichte bis kurz vor meinem Fu?, ging jedoch nicht weiter. Es schien als wolle es mir ausweichen. Diese ?berlegung war dumm, gab es doch keine physische Erkl?rung auf dieses Ph?nomen, und dennoch kam sie mir doch schrecklich wahr vor. Ich ignorierte das H?mmern das sich in meinen Schl?fen breit zu machen versuchte und versuchte mein Hirn das sich anf?hlte als w?rde es gleich anfangen zu krampfen wieder zu entspannen. Ich sah das Licht wie es etwas vor meinem Fu? zu zittern schien und versuchte praktisch zu denken. Wenn das Licht mir ausweichen w?rde, was w?rde geschehen wenn ich... . Ich streckte den Fu? leicht aus, der Bus fuhr los. Im selben Moment kehrte das ewige Halbdunkel der Lampen im Bus zur?ck, dann erst nahm ich wahr wie hinter mir die Stra?enlaterne platzte. Es regnete Glasscherben und die Autos hinter uns fingen an zu hupen. Der Bus erreichte die andere Seite der Stra?e mit mir auf der R?ckbank. Ich konnte mich nicht regen, konnte meinen Blick nicht von der Stra?e und den Glasscherben und der Lampe lenken. Erst als wir abbogen brach sie der Bann.
Nach dem Vorfall mit dem Arzt wurde ich noch ruhiger und in mich gekehrter als vorher. Von der Schule hatten sie mich schon lange verwiesen. Einen Jungen der nicht kooperiere k?nne nicht unterrichtet werden. Nachdem ich die 9.Klasse geschafft hatte verlie? ich ein f?r alle mal die Lehrer und die Sch?ler, die Hefte und B?cher. Ich lie? auch neun lange Jahre Leid und Spott hinter mir. Egal.
In der 8. Klasse hatten wir Sport. Der Lehrer war auszuhalten und er lie? mich in Ruhe. Zu Ende des Schuljahres machten wir ein paar Stunden Yoga. Schon in den ersten paar Minuten in denen wir uns nur auf unserer inneres Ich konzentrieren sollten ?berkam mich ein Angstgef?hl. In der dritte Stunde sollte es dann richtig anfangen. Wir legten uns auf die gr?nen Sportmatten und schlossen die Augen w?hrend der Lehrer uns eine Geschichte erz?hlte. Der Sinn dieser ?bung bestand darin Kontakt zu seinem inner Ich aufzunehmen und dadurch zu lernen, doch das einzigste was ich bei diesem lernte war es nie wieder zu tun. Wir sollten uns vorstellen wir gingen einen langen Weg entlang. Um uns herum wuchsen Str?ucher und Gr?ser. Der Weg richtete sich ein wenig bergauf und mit jedem Schritt den wir gingen sollten wir unsere Sorgen fallen lassen. Bei mir klappte es auf anhieb. Ich f?hlte mich ungewohnt entspannt und mein Geist war frei. An der Spitze dieses Berges stand ein Haus. Dieses sollten wir betreten. In dem Haus befand sich ein Keller. Ich betrat die Wendeltreppe die nach unten f?hrte. Von irgendwoher h?rte ich Musik, oder doch nicht? Irgendwelche sanften Kl?nge erf?llten die Luft und ich h?rte sie gerne, und ich h?rte sie doch irgendwie nicht. Ich ging weiter. Am Ende der Treppe war eine T?r. Sie sah aus wie ein schweres Eisentor aus dem Mittelalter und ich ?ffnete sie behutsam. Der Raum in den ich kam war von orange-gelben Licht erleuchtete und die W?rme die hier heerschte war angenehm. Ich ging weiter bis ich zu einer Frau kam die in der Mitte des Raumes sa?. Ich f?hlte mich seltsam mit ihr verbunden. Ich schritt auf sie zu bis ich sie fast erreicht hatte. Sie drehte sich um. Ich erschrak, wollte schreien, wegrennen. Ihr Gesicht war zu einer grausigen Fratze verzogen und es sah aus als w?re sie eine Leiche der die F?ulnis schon fast alles genommen hatte.
Ich ?ffnete die Augen und schloss sie nicht wieder. Die restlichen Sportstunden verbrachte ich krankgemeldet zu Hause in meinem Zimmer.
Der Bus gab Vollgas.
W?hrend der Sommerferien hatte ich Zeit mich meiner liebsten Besch?ftigung zu widmen. Ich ging in verschiedene B?chereien in meiner N?he. Der Gro?teil von ihnen war ein wenig zweilicht und abgelegen, die mehrst?ckige Stadtverleihe mied ich. Mein Puls schlug immer ein wenig heftiger bei dem Geruch von modrigem Papier und das verstaubte Leder der Buchdeckel lie? mein Herz h?pfen. Ich besah mir nie eines von den naiv geschrieben Kinderb?chern, doch das umschlagen von Seiten die wesentlich ?lter waren als ich machte mir Respekt und ich genoss es wie nichts anderes. Ein Buch mochte ich besonders. Dunkles Leder umh?llte sein kostbares Inneres und weder eine Inschrift noch sonst irgendein besonderes Indiz war darauf zu erkennen. Ich hatte es in einem Laden in der N?he des Waldst?ckes das jenen See einschloss gefunden. Warum dieses Gesch?ft so weit abgelegen stand war vielleicht dadurch zu erkl?ren das hier nicht alles mit rechten Dingen zuzugehen schien. Ein paar Mal hatte ich den Laden betreten und ein seltsamer Geruch hing im Raum. Ausserdem fing es an mich von innen her zu sch?tteln ich wei? nicht warum und wie, aber es war ein fr?steln wie als wenn einen jemand in einem Gefrierschrank einsperrt. Ich w?hle mit Absicht einen Gefrierschrank, denn es zieht sowohl von innen als auch von au?en an dir, die K?lte, ich wei? was ich meine.
Ich fuhr mit der Hand ?ber die B?cherr?cken. In meinen Adern begann es zu kribbeln, ich genoss es. Auf einmal ruckte es in mir und ich f?hlte wie mein Blut immer schneller floss und ich eine G?nsehaut bekam. So ein intensives Gef?hl hatte ich noch nie vorher empfunden, ich zog das Buch heraus. Mit geschlossenen Augen hielt ich es in den H?nden, wagte nicht hinunterzublicken, wagte nicht mir den Titel auszuschm?cken. Schlie?lich ?ffnete ich sie. Ich erschrak. Das Buch war wie ein Spiegel, ich schien mich direkt anzusehen.. Ich drehte mich fast panisch um aus Angst etwas k?nne hinter mir stehen. Kein Titel, nur ein schwarzer schwerer Einband.
Seit diesem Tag kam ich oft hierher zur?ck und nahm dieses Buch in die Hand. Ich schlug es nie auf, anfangs reichte es mir es anfassen zu k?nnen.
Zwei Wochen lang war ich Tag f?r Tag nur noch in diesem Gesch?ft anzutreffen. Selbst an Sonntagen sa? ich vor der Glast?r und betrachtete das Buch.
Es sollte ein Montag sein der alles ver?ndertre. Ich hielt wie so oft den schweren W?lzer in den H?nden und sp?rte wie sich ein vollkommender Kreis bildete der von meiner Schulter aus von meinen H?nden durch das Buch geleitet wurde und von der anderen Hand weiter bis in mein Herz floss. In dem Moment als ich merkte wie sich der Strom langsam zu vollenden neigte, sich immer mehr n?herte, z?h dahinfloss, aber mit jedem Millimeter perfekter zu sein schien und schlie?lich ankam an sein Ziel und ich sp?rte wie ich einen Teil von mir gefunden hatte stie? mich jemand von hinten an. Ich ?ffnete die Augen, drehte mich um. Ich sah alles verschwommen, nebelig, wie im Wasser, dennoch konnte ich eine schemenhafte Gestalt wahrnehmen. Hatte sie sich entschuldigt? Ich blinzelte, gew?hnte mich wieder, sah wieder, konnte sie sehen, starrte sie an, wusste nicht warum. Es war ein M?dchen, vielleicht in meinem Alter, vielleicht ?lter. J?nger? Sie kniete auf dem Boden und suchte hastig die B?cher die sie wohl getragen hatte bis sie mit mir zusammengesto?en war zusammen. Als sie meinem Blick im Nacken sp?rte sah sie hoch. Ihre eisblauen Augen stachen in meine, ich sah weg, sie blendete mich. “Hilf mit!” Ich sp?rte wie in mir diese Worte sowohl Unverst?ndnis als auch eine gewisse Neugierde herraufbeschworen. Icxh kniete mich etwas steif auf den Boden, fasste nach einem Buch, hob es auf als ob es zentnerschwer w?re. “Bist du ?fter hier?” Sie redete schnell, ohne dar?ber nachzudenken was sie sagte, ohne ihre Worte abzuw?gen. Warum machte sie das? Ich blickte auf, sah wieder diese Augen, sah wieder weg. Was sollte das? Die ?ltere Frau die den Laden betreute beugte sich ?ber den Tresen. “Lass ihn nur Flora!” Ihre Stimme klang scharf, aber auch in einer gewissen weise liebevoll. “Meine Gro?mutter...” Das M?dchen sah mich l?chelnd an und verdrehte die Augen. Ich stand auf und ging.
Erst eine Woche sp?ter traf ich das M?dchen wieder. Ihre blonden Haare waren zu einem Zopf gebunden. Sie gr??te mich kurz, l?chelte, ich sah weg.
Nach ein paar Tagen fragte sie mich aus heiterem Himmel hinaus, ob ich Lust habe mit ihr schwimmen zu gehen. Sie h?tte hier noch nicht viele Freunde gefunden, f?gte sie fast entschuldigend hinzu. Ich ?berlegte ob diese Einladung als Beleidigung getarnt war, denn als L?ckenf?ller war ich keineswegs so geeignet wie sie es sich vorzustellen gedachte. Ich wollte gerade ablehnen, als mir die Szenerie des Teiches in den Sinn kam. Ich hatte seit Monaten nicht mehr geschwommen und eine gewisse Neugierde auf ein ?ffentliches Schwimmbad kitzelte mich. Zwar st?rte mich der Gedanke von nichtsnutzigen Gleichaltrigen umgeben zu werden, aber da war ja auch noch dieses M?dchen. Ich sp?rte das sie anders war, sp?rte das ich in ihrer N?he kein Unbehagen entfand wie bei den anderen. Aber da war noch etwas, noch viel mehr. Ich sp?rte ein komische Gef?hl in ihrer N?he, und dass brachte mich ins gr?beln, es verwirrte mich. Sie rief eine gewisse Abneigung in mir hoch die ich stets zu unterdr?cken gedachte, sich aber nicht verstecken lie?. Mir wurde ein wenig schlecht bei ihrem Namen und meine Kehle zog sich bei jedem ihrer Blicke zusammen. Warum versteckte ich dies alles? Ich war doch noch nie einer gewesen, der sich selbst etwas vorspielte, warum also jetzt?
Meine Augen gew?hnten sich nur schwer an das Chlor des Schwimmbades. Es machte mich fast blind und dass machte mich w?tend. Immer und immer wieder musste ich mir ?ber die Augen wischen, sie zusammenkneifen, und ich sah trotzdem nicht mehr als vorher. Flora redete die ganze Zeit ?ber, ich h?rte ihr nie zu, sah meistens zur anderen Seite. Ich konnte ihre Blicke, ihre Stimme, ich konnte sie nicht ertragen. Ihr schien diese Abgewandtheit nicht aufzufallen. Irgendwann schwamm ich einfach los, sie mir hinterher. In der Mitte des tieferen Beckens sp?rte ich pl?tzlich eine Ersch?pfung wie ich sie noch nie zuvor erlebt hatte. Meine k?rperlichen also auch mentalen Kr?fte schienen v?llig am Ende zu sein und nur mit gr??ter M?he konnte ich mich oben halten. Ich wusste nicht wo Flora war, sah die anderen Leute nicht mehr. Merkte nur noch das warme Wasser ?berall, sp?rte wie meine F??e den Boden streiften. Ich f?hlte mich geborgen wie noch nie zuvor, sp?rte wie mir die Luft langsam aus meinem Mund entweichte, hatte die Augen geschlossen, f?hlte mich wie in einem Rausch.
Auf einmal zog mich jemand nach oben, r?ttelte mich. Ich wachte auf und sp?rte zuerst den Drang nach Luft, sp?rte ihn als ob meine Lunge zerplatzen wolle, sp?rte ein Dr?cken im Kopf und dann wieder dieses ziehen von der Hand die mir helfen wollte. Wollte sie das? Keine Gedanken mehr an so etwas. Ich schwamm hoch, Millimeter f?r Millimeter musste ich meine ganze Kraft aufbringen, und die Oberfl?che war noch so weit.
Ich schnappte gierig nach Luft, sah nur noch bunte Farbflecken durch den Chlornebel. Langsam schwamm ich zur?ck zum Rand, klammerte mich an ihm fest. Atmete ein und aus, ein, aus, sp?rte die Luft in meine Lungen str?men. Jemand zog mich am Arm. Flora sah mich an als sei ich aus dem Grabe erwacht. “Wie geht es dir. Oh Gott ich hatte solche Angst um dich. Wieso hast du nicht reagiert als ich dich angesto?en habe?” Ich sah in ihren Augen eine Hilflosigkeit aufblitzen und wandte mich ab, drehte mich weg, bedachte sie nicht einmal mit einem b?sen Blick. F?nf Minuten mochten wohl vergangen sein, f?nf Minuten mehr, wahrscheinlich weniger, doch nach diesem kurzem Zeitabschnitt setze sie an: “Jakob, ich wei? nicht was mit dir los ist. Ich habe gedacht wir k?nnten Freunde werden, aber anscheinend kannst du so etwas nicht. Ich habe geh?rt was die Leute ?ber dich in der Schule erz?hlen, was sie ?berall ?ber die erz?hlen. Und jetzt hat es sich best?tigt. Du kannst da sicher nichts f?r, dass du so bist wie du bist, aber...” Sie kletterte beh?nde aus dem Wasser. Ohne sich zu verabschieden ging sie fort. Ich f?hlte mich Erleichtert.
Der n?chste Tag war ein Freitag. Erst sp?t machte ich mich auf zu dem Laden, denn ich wollte das Buch noch ein letztes Mal sehen. Als ich dorthin kam war die T?r verschlossen. Ich konnte durch die Scheibe die B?cherregale sehen, konnte ab und zu sogar einen Titel entziffern. Ich sah auch das Real in dem mein Buch stand, stehen sollte. Es war nicht da. Wie eine Zahnl?cke klaffte dort ein Loch wo es gestern noch gestanden hatte. Pl?tzlich nahm ich eine Bewegung aus dem Hintergrund war. Eine Gestalt kauerte auf dem Boden, lehnte sich an die linke Seite des schweren Verkaufstisches und bl?tterte fast hektisch in einem W?lzer auf ihren Knien. Ich sp?rte wie mein Blut zu frieren begann, wie alles sich anfing zu drehen. Und pl?tzlich kam mir ein Gedanke, kamen mir tausend von schrecklichen Sachen in den Sinn und ich schimpfte auf mich weshlab ich nicht eher darauf gekommen war. Diese Gestalt dort hielt mein Buch in den H?nden. Wie verr?ckt versuchte ich mich an den Titel jenes Buches zu erinnern. Ich f?hlte mich pl?tzlich nicht mehr mit ihm verbunden, sondern nur noch kalte Abweisung, kalten Hass. Ich starrte auf das Buch, starrte es mit all meinem Hass an. Erkannte Flora im kalten D?mmerlicht. Sie sah mich fast ?ngstlich an, fast als ob ich es w?re der sie ins Ungl?ck st?rzte. Das Buch, der Titel. Ich sah Flora direkt in die Augen, hasste sie. Und pl?tzlich wusste ich wie dieses Buch hie?, wusste ich wieso ich es hasste, und wieso ich es liebte. Traum des Todes, Todestr?ume, irgendwie so. Es war ein Teil von mir, aber es war auch mein ?rgster Feind. Ich h?tte darin die L?sung finden k?nnen, knallte es in meinem Kopf. Ich h?tte darin die Heilung erfahren k?nnen. Meine Augen wanderten von Flora auf das Buch. Aber was hatte Flora mit dem ganzen zu tun? Ich wusste es nicht, und doch hatte ich doch immer dieses Unbehagen gef?hlt wenn ich sie sah. Meine Augen brannten sich in das Buch, mein Hass schoss regelrecht darauf zu. Ich sp?rte wie das Eis in meinen Adern von einem wilden Feuer geschmolzen wurde, wie alles zu Feuer wurde. Dann fing das Buch an zu brennen. Flora hielt es noch immer in den H?nden, sah mich nur ungl?ubig an. Sie stand auf, ihre Augen schienen rot wie Blut zu sein als sie das Buch fallen lie?. Wie in Trance ging sie auf mich zu. “Ich wollte dir nur helfen” hallte ihre Stimme in meinem Kopf. “Wollte dir nur helfen” Der Laden schien lichterloh zu brennen, ?berall st?rzten B?cherregale um. Nur der Platz wo das noch immer brennende Buch lag schien nicht brennen zu k?nnen. Die Holzdielen um den Einband herum zeigt nicht einmal eine Spur von Ru?. Langsam brannte das Buch, ich konnte mit ansehen wie jede einzelne Seite von den Flammen verzerrt wurde. Die letzte Seite. Alles schien einzust?rzen. Flora stand inmitten des Raumes, aber ich konnte ihr Gesicht genau erkennen. Die Scheibe war zugeru?t und dennoch sah ich alles, sah sie inmitten des Raumes, sah die Flammen um sie herum, sah sie sah wie sie....
Ich drehte um. Das Feuer in meinen Adern war nicht mehr zu sp?ren, die K?lte kam wieder. Ich rannte als sei der Teufel hinter mir her, Alles schien dunkel zu sein als w?re es nicht fr?habends gewesen sondern sp?t nachts. Ich st?rzte mich auf mein Bett, stand noch einmal auf und ?ffnete das Fenster. Komischerweise roch ich weder an meiner Kleidung noch sonst wo nach Rauch. Ich fiel wieder auf die weichen Kissen. Begrub das Gesicht in eines, legte mich dann auf den R?cken und faltete die H?nde. Ich h?rte keine Feuerwehr, vielleicht w?rde auch keine kommen. Was wusste ich schon. Oh ich wusste viel, zu viel. Ich fiel in einen traumlosen Schlaf. Ich schien das ganze Wochenende durch zu schlafen, tr?umte nicht. Erst am Montag wachte ich auf.
Das pl?tzlich aufleuchtende Licht im Bus stach in meinen Augen. Ich war eingenickt. Mein Kopf tat weh und der Nacken war etwas verspannt. Vorsichtig setzte ich mich zurecht. Die Sache mit Flora hatte mich mitgenommen. Sie hatte in mir eine Falle gespannt die mich mit Fragen bewarf tappte ich auf sie. Ich fing an mich zu fragen ob ich B?se oder Gut war, ob ich das Feuer ausgel?st hatte oder jemand anders. Was die Polizei herausgefunden hatte wusste ich nicht. Vielleicht stand irgendwo, dass es einfach ein Brand gewesen sei, ausgel?st von alten Stromkabeln, einer vergessenen Zigarette, einem Funken von was wei? ich. Nun gut dieser Todesfall, aber wer konnte schon wissen, vielleicht war sogar diese Tote gar nicht so unschuldig daran. Ich versuchte einfach nicht weiter daran zu denken.
Ein paar Monate nach diesem Ereignis bekam ich einen Hund von meinen Eltern. Ich war sehr ?berrascht war ich doch soweit ich mich erinnern konnte nie eines dieser Kinder gewesen die hinter jedem K?tzchen herliefen als sei es das Sch?nste auf Erden. Es war ein Hund von mittlerer Gr??e, einer von diesen Mischlingen die in jedem Tierheim zu bekommen sind. Nicht besonders sch?n, nicht besonders h?sslich. Meine Mutter meinte, ich h?tte nun einen neuen Freund, doch ich bezweifelte dies. Hunde k?nnen keine Freunde sein, nur ahnungslose Gesch?pfe die hinter ihrem Gott (in diesem Falle ich) herlaufen, ihnen die Pfote geben, die Zeitung holen... mir wurde schlecht bei dem Gedanken. Nun sa? ich das mit einem kleinen Fellkn?uel das unentwegt nach Fliegen schnappte, in Kissen biss oder seinen Unrat in die entlegensten Ecken ablegte. Eigentlich w?re mir so eine Aufgabe l?ngst zur Last geworden und ich h?tte mich ihrer entledigt, aber stattdessen kam es mir nach einiger Zeit vor, als ob sich in mir eine T?r ?ffnen w?rde, als w?rde ich zu neuem Leben erweckt werden. Vielleicht lag dies auch mit dem drastisch gesteigerten Bewegungspegel zusammen. Da ich nun fast mehr als 2 Stunden durch die Gegend ging, allein um mir das l?stige Putzpersonal vom Hals zu halten welches immer wieder in meine Zimmer gerannt kam um etwaige, vom Hund produzierte, Abf?lle zu beseitigen. Eines Abends war ich wieder unterwegs. In der letzten Nacht war mir wieder diese Nachricht die ich im Krankenhaus bekommen hatte eingefallen. Was hatte Flora damit gemeint als sie sagte sie h?tte mir nur helfen wollen? Hatte sie diese Nachricht zuletzt sogar verfasst? In mir brodelte ein Strom aus Fragen der die Antworten tief in mir drin hervorsp?len wollte, es aber dennoch nicht konnte. So hatte ich dann aus lauter Wut ?ber meine Unwissenheit zur Leine gegriffen und war hinausgegangen. Die Wintersonne war fast untergegangen und auf den Wegen lag etwas Matschschnee. Die graue Wolkendecke wurde bald schwarz und nur noch ab und zu streifte ich eine helle Lampe. Die ?ffentlichen Wege ging ich selten, ich bevorzugte die etwas vereinsamten Landstra?en und Feldwege. Es mochte wohl schon auf die elf zu gehen als ich pl?tzlich einen heftigen Windsto? ins Gesicht bekam. Ich dachte mir nichts dabei bis ich pl?tzlich von irgendwoher das einsame Ger?usch einer Spieluhr vernahm. Erst nur ganz sacht. Ich blieb stehen, lauschte. Um mich herum schien sich das Schwarz enger zu ziehen so dass ich bald nichts mehr sah sondern daf?r nur noch der schaurigen Melodie die in meine Ohren drang lauschen musste. Ich ging schneller, die Leine um meine Hand begann zu ziehen und ich rannte. Rannte als sei der Teufel hinter mir her, rannte als ging es um mein Leben. Ich hatte Angst. Panische Angst. ?berall war nur schwarz. Ich sah weder B?ume noch B?sche. Nur dieses ewige schwere lehr einer ?bernat?rlichen Nacht. Meine Augen suchten hektisch nach einem sichtbaren Punkt, nach einem St?ckchen Licht. Die Melodie wurde lauter. Ich merkte wie mein Blut durch meine Arme rauschte, mir in den Kopf, in die Beine schoss. Ich rannte weiter. Der Kreis Schw?rze schien mich nun v?llig einzuschlie?en, schien mich nun ganz erdrosseln zu wollen. Ich fiel, konnte nicht wieder aufstehen. V?llig ausgelaugt f?hlte ich mich. Und dann sah ich sie. Hektisch drehte ich mich um, doch da war nichts. Hatte ich nicht aus den Augenwinkeln ganz sicher Schatten gesehen? Dort waren sie wieder, und meine Augen jagten ihnen nach. Die Melodie der Spieluhr hatte nachgelassen und ich hatte es nicht bemerkt, komisch. Seltsam war auch, dass ich in der Schw?rze noch Schatten sehen konnte. Konnte etwa irgendetwas noch dunkler sein als diese Nacht? Ich erschrak. Hinter mir, nein vor mir, zu meiner Seite. Ich h?rte ein Rascheln dass meine Ohren und Augen fast verr?ckt werden lie?. Ein kalter Schauer nach dem anderen jagte mir ?ber den R?cken. Schlie?lich lie? ich den Kopf einfach auf meine Arme, die auf dem Boden lagen, sinken. Ich wollte nichts mehr sehen, nicht mehr h?ren. B?uchlings lag ich nun da und ?berall um mich herum schienen sich Schatten zu zeigen, schien ich Schatten zu h?ren. Ich zog meine Beine zusammen und kauerte mich ein. Die Augen hatte ich fest geschlossen. Schon sp?rte ihc einen Luftzug der nicht vom Wind stammen konnte. Ein eisiger Atem streifte meine Wange und erzeugte eine G?nsehaut. Pl?tzlich schnitt ein Laut die gespannte Luft. Es war ein unheimliches Heulen, aber ich bekam komischerweise keine weiteren Angstst??e die durch meine Venen sausten wie hei?e Nadeln. Wenig sp?ter zog mich etwas leicht am ?rmel und h?rte erst auf als ich mich wieder bewegte. Ich ?ffnete die Augen. Der Mond war aufgegangen und sein k?sebleiches Licht beschien das Feld auf dem ich lag. Von meinen Schatten war nichts mehr zu sehen. Ich ging langsam zur?ck zum Hause meiner Eltern. Neben mir lief ein mittelgro?er R?de, mein Hund. Hatte er diesen Laut ausgesto?en? Es konnte nichts anders gewesen sein. Mein Herz setzte kurz aus als ich die Haust?r abschloss und zum ersten Mal fragte ich mich, wieso ich.
Das Licht des Busses war immer noch an. Ich sah mein Spiegelbild in der gegen?berliegenden Fensterscheibe nun sehr deutlich. Es schien fast als ob ich nur aus schwarz und wei? best?nde. Allein meine Lippen hoben sich in einem sacht r?tlich-wei?en Schleier von diesem Eindruck ab. Ich wanderte ?ber mein Kinn und meine Wangenknochen die hervorstanden als w?re ich ausgehungert. Sie bildeten schwarze H?hlen in meinen Wangen und erweckten den Anschein von endloser M?digkeit. Meine Haare, so schwarz wie jene Nacht waren ungek?mmt und ungewaschen. Ich hatte sie erst k?rzlich geschnitten. Eine zeitlang hatte ich mir die Haare bis an die Schulter wachsen lassen, aber es wurde mir zu l?stig also schnitt ich sie auf ein paar Millimeter. Seitdem trug ich sie kurz, h?chstens 4cm, l?nger nicht. Ich k?mmerte mich nicht viel um mein Aussehen, lebte nur das praktische. Ich ber?hrte mit meiner Hand sacht die Haarspitzen, dabei lie? ich mein Spiegelbild nicht aus den Augen. Irgendetwas stimmte nicht mit meinem Spiegelbild. Ich sah an dem mir in der Fensterscheibe hinunter. Alles war identisch. Pl?tzlich fiel mein Blick auf meine Augen und mein Magen krampfte. Diese Augen, sie starrten mich voller Hass an. Starrten mir direkt ins Gesicht, hassten mich so sehr dass dieser Blick allein schon Schmerzen in mir hervorrief. Ich versuchte logisch zu denken, schloss die Augen, ?ffnete sie langsam wieder. Die K?rperhaltung im Spiegel war immer noch die selbe wie meine und auch die Armbewegungen kamen nicht verz?gert oder stockend oder gar gar nicht. Doch dann sah ich wieder meine Augen. Ich war mir sicher, sie hatten kein einziges Mal den Blick von mir abgewendet, hatten mich die ganze Zeit gehasst. Das Licht im Bus erlosch je und ich sp?rte eine unheimliche Erleichterung. Der Blick meiner, dieser Augen lag immer noch wie ein Stein auf meinem Herzen. Ich lehnte mich mit dem Hinterkopf an meine Scheibe und atmete aus, schloss die Augen und merkte wie kalter Schwei? mir in die H?hlen floss die meine Wangenknochen in all den Jahren gebildet hatten. Merkte wie er mir am Kinn entlang ran und schlie?lich meinen Hals hinabfloss. Ich schmeckte dass Salz an einem Mundwinkel. Doch pl?tzlich schien es mir als w?rde der Geschmack sich ?ndern, sich in einen anderen verwandeln. Das salzige war verschwunden und machte etwas metallischem, unangenehmem Platz. Mir rannen kalte Schauer ?ber den R?cken und ich schmeckte das scheu?liche Aroma von Blut in meinem Mund. Ich ?ffnete die Augen und beugte meinen Kopf nach vorn. Ich strich sanft ?ber meine Wangen, ?ber meinen linken Mundwinkel und besah mir die Fl?ssigkeit im schwachen Licht dass vom Busfahrersitz und von den sperlichen Stra?enleuchten nach hinten drang. Es war keine Spur von Blut zu erkennen. Ich leckte mit der Zungenspitze kurz dar?ber. Es schmeckte nach nichts. Wasser? Ich lie? meinen Kopf wieder zur?ck an die k?hlende Fensterscheibe sinken und stie? ersch?pft die warme Luft aus meinen Lungen hinaus. Was noch?
Jahrelang waren die Menschen nur an mir vor?bergezogen, hatten mich in Ruhe gelassen sobald sie merkten dass mir an ihnen nichts lag, dass ich sie schon hasste bevor sie ein Wort gesprochen hatten. Meine Stimme klang komisch hohl, dumpf wenn sie gegen meine Sch?delw?nde hallte, ich mochte das Ger?usch nicht. Mit 16 Jahren hatte ich keine Ahnung von der Weltgeschichte. Sie interessierte mich einfach nicht. Ich gebe zu dass sich das egoistisch anh?ren muss, aber in einer Welt in der Jeder in Jedem den Feind sieht, den Gegner erwartet, kann es keine Selbstlosigkeit geben. Selbstlose Menschen zerbrechen fr?her oder sp?ter, liebende Menschen werden zu Feinden, Hass, Eifersucht, Gewalt, all dies lernte ich nie kennen. Nat?rlich sp?rte ich Blicke im Nacken, nat?rlich h?rte ich Worte, b?s gemeinte, gut gemeinte, aber allem in allem schien von mir kein wahrer Gegner, keine Feindschaft auszugehen. Genauso wenig wie lieben konnte ich verzeihen oder f?rchten. Ich sp?rte einmal in meinem Leben Hass gegen den Menschen der mir am n?chsten stand, deswegen sprach ich seit dem nur noch von Lehrer, nicht von dem Psychologen, den er eigentlich hergeben sollte. Oft kamen mir Fragen die auch im Zusammenhang mit dem Tod Floras hingen. Hatte ich gar den Tod, diesen -die ?rzte sagen- Herztod gar zu verschulden? Zu sp?t ?ber solche Sachen nachzudenken. Es gab einmal einen Jungen der hie? Jakob. Er lebte mit seinen Eltern in einem gro?en Haus in einer Stadt. Er hatte ein Leben wie es sich so mancher nur w?nschen konnte. Oft sa? er drau?en w?hrend der Wind ihm durch die tiefschwarzen Haare pfiff. Doch war er weder gl?cklich noch traurig. Die Leute erz?hlten Sachen ?ber ihn, Kinder hatten Angst vor seinen dunklen Augen. Ihm war es gleich, es schien als bemerke er seine Mitmenschen nie. Nur selten kam Besuch in das Haus. Ein Mann und ein M?dchen waren seltene G?ste, sie kamen nie mehr als 2 Wochen lang. Danach wusste niemand was mit ihnen geschehen war. Sie tauchten auf und unter als w?ren sie nicht real, doch dem neugierigen Blick der Nachbarin konnten sie sich nicht entziehen.

Mit 5 Jahren hatte ich einen seltsamen Traum. Ich tr?umte, dass ich nachts in meinem Bett erwachte. ?ber mir war die Decke schwarz angemalt worden, nur St?ckchen wei? stachen aus dem endlosen Meer hervor wie Sterne. Es schien als w?rde eine leise Musik mich begleiten und mich leiten. Ich kletterte aus dem Fenster, mein Zimmer war im untersten Stock gelegen, und begab mich auf den Weg den die Musik mich f?hrte. Ich musste mehr als eine Stunde lang gegangen sein als ich vor einem Haus stehen blieb. Der blaue J?gerzaun und die wei?en Fensterl?den gaben ein idyllisches Bild ab, beleuchtet vom vollen Mond ein idealer Anblick. Hinter den Vorh?ngen sah ich kein Licht, dennoch bewegte sich dahinter etwas. Unsicher geworden ging ich die T?r zu ?ffnen. Es h?tte gepasst, wenn die T?r geknarrt h?tte, aber sie war, wie anscheinend alles in diesem Haus, ohne jeden Mangel. Die sanfte Musik f?hrte mich durch die K?che, das Wohnzimmer, den Flur. ?berall waren die W?nde wei?. Auf einem hellblauen Bl?mchensofa lagen verstreut Kindersachen, sowohl Klamotten als auch Spielzeug. Ich erinnere mich jedes der Autos, jede der Puppen in die Hand genommen zu haben. ich besa? tausend Autos, teure, billige, heile, kaputte, dennoch merkte ich, dass ich derartige Spielwaren nie zuvor gesehen hatte. Im Flur stieg ich die Treppe hinauf. Ein weiterer Flur, diesmal waren die W?nde mit Bord?ren verziert. Ich strich langsam mit den Fingern ?ber das Papier, sp?rte jede einzelne Faser unter meinen Fingerspitzen. Pl?tzlich ?ffnete sich neben mir eine T?r. Heller Schein drang warm in das bl?uliche Licht. Eine Frau schritt hinaus. ?lter war sie wohl, und sie summte. Sie sah mich nicht, ich war wie vor Schreck gel?hmt. Sie stieg die Treppe hinab. Erst als ich sie nicht mehr h?rte schlich ich zu der T?r um in das Zimmer sehen zu k?nnen. Darin war ein Bett in dem ein Junge und ein M?dchen lagen. Das M?dchen hatte blonde Haare die ihr in Locken auf die Schultern fielen, der Junge war braunhaarig. Beide sahen sie aus wie Engel in einem Meer aus Flausch und Wolken. Ich sehnte mich auch in einem solchen Meer zu versinken, sehnte mich so sehr dass ich neben die beiden Kinder trat und mich neben sie legen, mich in ihrer Mitte wissen wollte. Als das M?dchen mich neben sich sah fing sie an zu schreien. Es kam so pl?tzlich und drang so laut dass ich ihr den Mund zuhallten wollte. Da fing der Junge an zu schreien. Auch seine Stimme war hoch und laut und ich merkte wie mein Trommelfell darunter vibrierte. Da ich ihnen nicht beiden den Mund zuhallten konnte schlug ich das M?dchen ins Gesicht damit sie aufh?rte zu schreien. Doch sie wollte nicht, und mit einer Kraft die kein F?nfj?hriger besa? schlug ich sie wieder und wieder. Sie blutete und es ergoss sich auf die wei?en Laken und die goldenen Locken. Sie hatte schon l?ngst aufgeh?rt zu Kreischen, hatte schon l?ngst aufgeh?rt um sich zu schlagen und dennoch w?rgte ich sie noch mehrere Male. Der Junge war w?hrenddessen aus dem Bett gesprungen und zur T?r gerannt. Mit ein paar Schritten war ich bei ihm.
Das Blut rann mir ?ber meine Arme und die getr?nkten Locken streichelten mein Gesicht. Ich lag in ihrer Mitte als die Frau wieder hereinkam. Sie summte immer noch diese Melodie als sie sich an das Bett setzte und dem M?dchen sanft ?ber die Haare strich. Dann ging sie zu dem Jungen und k?sste ihn sanft auf die Stirn. Dann stellte sie sich vor das Bett und sah mich an. Es vergingen Sekunden, Minuten, sie unterbrach nicht einmal das Summen. Pl?tzlich hielt sie in ihrer Hand ein Messer. Es war ein normales K?chenger?t, ein einfacher Holzgriff, eine normale Klinge, und dennoch lie? mich dieses Messer erschaudern. Und w?hrend die summte ging sie langsam auf das Bett zu in dem ich ganz in schwarz lag. Meine Kinderh?nde ruhten auf der Decke, ich sp?rte weder Angst noch Panik. Als sie kurz vor dem Bettkasten angekommen war blieb sie stehen. Ihre Hand hob sich, ich konnte sehen wie ihre Finger den Griff fester umklammerten. Sie setzte das Messer an ihrem Hals an und zog genau da wo die Schlagader verlief langsam einen tiefen Schnitt. Ich konnte sehen wie sich langsam die Haut trennte und dem Blut freien Lauf lie?. Es rann ?ber ihren Hals und f?rbte ihre Bluse. Sie stand immer noch, hatte keine Miene verzogen. Ich fragte mich wie lange sie das aushalten w?rde. Pl?tzlich sah ich wie sich ihre Augen tiefschwarz f?rbten und mit ihnen nahm auch ihr Blut die gleiche Farbe an.

Die Musik wechselte auf die ewige immer gleichen Radiohits. F?nf M?dchen so im Alter um die 16 stiegen ein und besetzten die Pl?tze vor mir. Ich seufzte und verdrehte die Augen, an tausend Pl?tzen w?re ich jetzt lieber als hier. Ich f?hlte mich von dieser Scharr bedr?ngt und in mir setzte sich eine Bef?rchtung nach der anderen ab. Was wenn mich eine von ihnen ansprechen w?rde? Was wenn sie versuche w?rden sich neben mich zu setzten? Ich hatte nie etwas von M?dchen gehallten, genauso wenig wie von Jungen. Das Gekicher dr?hnte in meinen Ohren wie die Schreie der beiden Kinder in dem Traum von damals.

Ich habe schon von meinem Hund erz?hlt. Ich wei? nicht was w?re w?rde er jetzt noch leben. Vielleicht w?rde ich mit ihm jetzt irgendwo da drau?en sein, vielleicht w?re alles anders geworden. Ich habe noch nie einen Fehler begangen den ich r?ckg?ngig machen wollte bis auf vielleicht einen einzigen Augenblick in meinem Leben.
Es war an einem k?hlen Herbstnachmittag. Wie so oft war ich mit meinem Tier unterwegs, quer durch die Felder, die ?ffentlichen Wege meidend. Doch diesmal war ich nicht allein. Auf halben Ende der Strecke, wir n?herten und der Autobahn, bemerkte ich eine Frau mittleren Alters die mir zu folgen schien. Ihre schwarzen Haare waren kinnlang geschnitten, ihre Augen verdreckte eine altmodische schwarze Sonnenbrille. Sie schien irgendwie zu fein zu sein um auf einem Schotterweg spazieren zu gehen. Ich wurde unruhig, schaute mich immer ?fter um. Nat?rlich kamen mir Fu?g?nger entgegen oder sie begleiteten mich ein St?ck. Nat?rlich erlebte ich es hin und wieder, dass mich jemand ansprach, meist andere Hundebesitzer, aber diese Frau war anders. Wir waren in der N?he des Industriegebietes, es h?tte sein gekonnt dass sie nur nach einem Auto suchte, aber doch stellten sich meine Nackenhaare auf wenn ich sie mir vorstellte, wie sie mir folgte, wie sie mich ansah von hinten. Ich fragte mich was sie wollte, warum sie nicht endlich abbog. Ich entschied mich stehen zu bleiben, wollte sehen wie sie reagieren w?rde. Als h?tte sie meine Gedanken gelesen setze sie sich, noch bevor ich stehen geblieben war, auf eine Bank. Ich ging weiter, schnell waren meine Schritte, der kalte Wind blies kleine Nebeltropfen in mein Gesicht. Ich drehte mich um, niemand war zu sehen, auch auf der Parkbank schien niemand mehr zu sein. Etwas beruhigter setzte ich meinen Gang fort, vielleicht hatte ich mich geirrt. Nach etwas hundert Metern sp?rte ich einen kalten Luftzug im Nacken der nicht vom Wind kam. Es schien mir als sei er k?lter, k?lter fast als alles das ich vorher gesehen hatte. Mit meinen Fingern tastete ich vorsichtig nach meinem Nacken, sp?rte die Wirbel und die K?lte und noch irgendetwas. Ich zog meine Hand zur?ck, besah sie mir im bl?ulichen Licht. Blut? Schnell wischte ich meine Hand an der Hose ab. Das konnte nicht sein. Wie im Reflex sah ich mich um, und da war sie. Und pl?tzliche wurde mir klar worauf sie es abgesehen hatte. Ich fasste die Leine fester, ging schneller. Bald w?rde da die Stra?e sein. Hinter den B?umen h?rte ich die ersten Autos, sah ich einzelne Lastwagen die Autobahn hinunterrasen. Ich sah mich wieder um, die Frau schien schneller zu gehen. Ich musste eine Kurzschlussentscheidung fassen, legte die Hand um den Verschluss des Halsbandes und bet?tigte mit einem kurzen Klicken das Schloss. Er lief nicht fort, ging weiter neben mir her. Eine kurze Ber?hrung mit seinem weichen Fell, ein letzter alles entscheidender Gedanke, dann jagte ich ihn in Richtung der Stra?e. Ich konnte ihn laufen sehen, rief ihm nach, jagte ihn weiter. Er preschte durch die Baumst?mme und B?sche, erreichte die Stra?e und lief ohne zu Zweifeln hinauf.
Ich h?rte ein lautes Hupen, den dumpfen Aufschlag wahrscheinlich nur in meiner Fantasie. Ich sah mich um, suchte mit meinen Augen jeden Fleck, jedes Baumgr?ppchen ab. Die Frau war fort.
Der Regen sp?lte jede Farbe von den H?usern, den Menschen und umgab alles mit seinem Grauschleier. Die wenigen Leute die noch auf der Stra?e waren gingen gehetzt, starrten nur noch auf ihre eigenen F??e. Bei Regen sind alle gleich, nass und schmutzig, grau.
Die M?dchen kicherten und lachten und in ihrer Freude krampfte mein Geist sich zusammen.
Mit 13 Jahren betrat ich das erste Mal in meinem Leben einen Friedhof. Irgendeine Tante musste gestorben sein, genau wusste ich das nie, aber mich faszinierten die H?gel unter denen Leichen ihre letzte Ruhe gefunden hatten. Als die Beerdigung zu Ende war ging die ganze Schar in ein Cafe ein paar Meter weit entfernt, ich w?rde sp?ter nachkommen.
Ich sa? in einem schwarzen Raum. Der Boden f?hlte sich kalt an, so wie alles hier. Ich konnte nur einen roten Schimmer ausmachen der von irgendwo hinter mir kommen musste. Meine nackten F??e tappten ?ber den kalten Stein und meine H?nde tasteten blind im Dunkeln. Ich versuchte von dem roten Schein fortzukommen, ging Schritt von diesem Schimmer fort. Doch es war als hielte mich ein unsichtbares Band, gewoben aus eben jedem r?tlichen Licht, zur?ck, nur unter gr??ter Anstrengung konnte ich gehen. Pl?tzlich st?rzte ich ?ber etwas dass am Boden lag. Meine H?nde brauchten nicht lange zu tasten damit ich feststellen konnte was es war. Der K?rper am Boden war genauso kalt wie alles ?brige. Doch durch den Sturz war noch etwas passiert. Meine Leine, dass rote Licht, war gerissen, das Feuer dass sich nun vorfra? gl?hte gelb orange. Und doch blieb bei mir alles schwarz. Schnell machte ich mich auf die Suche nach einer T?r oder einer ?ffnung um dem sicheren Tod zu entgehen.
Kalte Luft f?llte meine Lungen. Das Gras war taunass, der Vollmond schickte sein blasses Licht ?ber die Grabsteine. Ich keuchte, st?tzte mich auf dem n?chstbesten Kreuz ab, versuchte mich zu sammeln, mich nicht mehr so schrecklich aufzuregen. Pl?tzlich ?berfiel mich eine innere Ruhe und Sicherheit dass ich fast mechanisch mich aufrichtete und sicher losging. Das rot des herannahenden Feuerwehrwagens spiegelte sich in meinen schwarzen Augen und schien etwas heller zur?ckzuscheinen. Ich hatte keine Angst, ich war mir noch nie so sicher gewesen.
Ich sp?rte die N?he von etwas Fremdem, etwas Vertrautem, ich merkte wie sich alles in mir zusammenzog und dann wieder entspannte, die Sicherheit, diese unb?ndige Kraft, woher kam sie? Ich wartete, stieg dann in den Bus.
Der Regen floss, graue Menschen, graue Stra?en. Ich sah zum Busfahrer der wie immer seine Klassikmusik h?rte die ich hasste. Ich konnte mich hier nicht entspannen, ich f?hlte mich hier nicht wohl. Das Fahrgeld hatte ich m?hsam zusammengekratzt, es war teuer. Nach einer halben Stunde wollte ich aussteigen. Die T?ren ?ffneten sich, doch als ich an ihm vorbeiging schlossen sich pl?tzlich die Finger des Busfahrers um meinen Arm. Unsicher l?chelte er mich an, nannte mich beim Namen. Er sah aus wie man sich einen Gro?vater w?nschte, lieb, nett, doch ich scheute mich vor ihm. Er redete mit mir, sagte ich solle noch bleiben. Ich sch?ttelte seine Hand ab, sie war mir zu warm, zu schwitzig. Er war mir zu blond.
Die Stra?e war schwarz und nass und ich ging schnell. Die schwarze Jacke zog ich enger, die Brille steckte ich in die Tasche. Ich besah mich in den Schaufenstern, ich sah wirklich gut aus. Schnell ging ich durch die Fu?g?ngerzone, kam in das Wohnviertel. Gro?e H?user zeigten reiche Leute. An einem Wei?en blieb ich stehen, ging hin und klingelte. Ein M?dchen ?ffnete, Flora. Sie k?sste mich, freute sich ?ber mein Kommen, ohne mich lief keine Party. Ich setzte mich auf eines der Sofas, Leute redeten mit mir, M?dchen setzten sich neben mich, Jungs diskutierten ?ber Musik, M?dchen ?ber Popstars. Pl?tzlich sp?rte ich wie kalte Schauer ?ber meinen R?cken liefen und meine H?nde anfingen bl?ulich anzulaufen. Ein Junge stand etwas zwei Meter vor mir, er sah mich an, ich schaute zur?ck. Er lachte, hatte wohl schon etwas zu fiel getrunken. “Jakob”, rief er, “sieh es an! Lauf nicht fort!” Irgendwie kamen mir diese Worte bekannt vor. Ich sah zu dem Abrei?kalender auf dem Kaminsims, der 13.4. “Sieh es an, Jakob! Sieh mich an!” Ich stand auf, mein K?rper f?hlte sich an wie aus Eis, wie gefroren, unendlich kalt. “Es reicht”, schrie ich. “Es reicht es reicht es reicht es reicht!” “Was reicht?” “Ich kann nicht mehr! Verdammt zwingt mich nicht, lasst mich los!” “Los? Jakob!” “Fass mich nicht an, fass mich einfach nicht an!” “Was ist los mit dir Jakob? Soll ich einen Arzt rufen?” “FASS MICH NICHT AN! LASS MICH!” Floras lange blonde Haare tr?nkte das Blut rot. Ich sah auf meine H?nde, sie waren ganz verschmiert. Ich weinte und weinte, heulte wie ein kleines Kind, klappte in mich zusammen und lag so f?r Stunden.
Ich stieg in den Bus. Der Regen floss in Str?men, rann die Scheiben im Bus hinunter. Die nasse Strasse reflektierte den Schein der Stra?enlaternen. Wenn der Bus an den Schaufenster der Stadt vorbei fuhr, konnte ich mein Spiegelbild erkennen; einen blassen Junge mit dunklen Haaren und einer schwarzen Jacke. Meine Brille hatte ich an dem Abend in meiner Jackentasche verschwinden lassen, sie n?tzte mir eh nichts bei dem Regen. Wieder ein Schaufenster.


“...Bei einem Brand in einem kleinen B?chergesch?ft starb die Enkelin des Besitzers. Wieso die 16-j?hrige noch zu diesem sp?ten Zeitpunkt noch dort war ist noch unklar. Fest steht, dass das Feuer absichtlich gelegt worden ist...”
“...eine ?ltere Frau und ihre beiden Enkel.... in der Nacht vom.... Mord?.... Motiv....”
“....mehrere Leichen in einem See.... starben durch Stichwunden oder wurden erstickt..... junge M?dchen....”
“....Psychologe.... kaltbl?tig.....”
“....Jugendliche..... Party..... kein ?berlebender....”
“.... Brand in einer Leichenhalle....”
“....Fernfahrer stirbt bei Unfall.... Hund....”
“.....Busfahrer kommt von der Stra?e ab.... kleiner See.... Tod durch ertrinken.....”

“....eine weitere Leiche ......... ein Junge.... dunkle Haare.... schon lange tot..... konnte nicht identifiziert werden.”

“In der Nacht vom 13.4. starben bei einem Autounfall zwei Menschen. Bei den Toten handelt es sich um einen Mann und eine Frau mittleren Alters. Der Fahrer eines Busses war wegen Gl?tte von seiner Spur abgekommen und fuhr mit ?berh?hter Geschwindigkeit in das Fahrzeug der Toten. Im Auto soll ebenfalls der 16 j?hrige Sohn der Familie gewesen sein, von ihm fehlt bislang jede Spur.”










1.4.05 21:30


Ich hebe langsam meine Hand und sehe in ihren Falten und Rillen mich, meine Vergangenheit. Es ist wie ein Traum, das Leben, unwirklich. Manchmal habe ich das Gef?hl ich bin der einzige, der wirklich lebt, die anderen leben nur um mich herum. Es kommt mir vor, als w?re ich der einzige Mensch unter tausend anderen, die gar nicht wirklich leben, die gar nicht wirklich sind. Seit du nicht mehr da bist wohne ich allein, mit mir selbst sozusagen, bin ich einsam. Ich habe kein Feuer vor dem ich sitzen k?nnte um sentimental zu werden, nichts ist da das mich traurig macht. Es ist einfach nichts, die L?sung. Allgemeines Staunen macht die Runde.
Ich bezeichne mich nicht als gem?tskrank und nicht als depressiv. Ich bin nicht krank, nicht in mir, noch au?en. Ich sage es so wie ich es sehe, ich bin erf?llt von Sehnsucht. Sehnsucht nach dir, und ich kann es in mir nach mir rufen h?ren, ich solle wieder zu mir kommen, es nicht wieder so weit kommen lassen. Doch von Woche zu Woche wird dieser Ruf stummer und mit jedem Tag der vergeht w?chst sie.
In mir ist der Drang, das unb?ndige Verlangen - nach dir, und ich kann dich sehen, mit jedem Tropfen Blut das durch meine Venen flie?t kann ich dich sehn, und ich kann dich riechen. Ich kann dich riechen mit jedem Nebel der mich umschlie?t. Der fr?h morgens von den kalten Feldern kommt, jetzt, um diese Jahreszeit.
Doch er sagt mir nicht wo du bist. Wer sagt das auch schon.
Ich bin nicht selbstzerrst?rerisch und nicht zynisch. Ich versuche nicht krampfhaft anderen meine m?des Bewusstsein unterzuschieben. Ich bin von oben bis unten aufgescheuert, von innen, tut mir leid wenn ich das jetzt so sage. Mein Ganzes verzweifelt in seinem Drang nach Dir und nach der Sucht, dich zu finden, wie ein einziger Tag am Meer.
Ich bin nicht romantisch, auch wenn das jemand behauptet. Ich bin nicht sensibel, und doch scheu wie ein, [...Gedankenpause...] ich bin so so m?de.
Meine Lippen sagen etwas anderes, meine Augen l?gen, auch wenn das eigentlich anders hei?t.
Bin ich noch nicht reif oder schon matschig?
Und was bist du?
Und wo bist du?
Ich suche meinen Arm ab, nach Einstichsl?chern, nach etwas wo etwas von mir rauskann.
Ich halte meinen Kopf, in der Hoffnung, ihn nicht tragen zu m?ssen.
Wenn Gedanken etwas wiegen w?rden.....
Mein erster am Tag,
Mein letzter in der Nacht.
Wenn ich noch mal geboren w?rde....
Mein letzter Versuch.
Mein erstes Scheitern.
....ich w?re am anderen Pol.



1.4.05 21:28


Willkommen in meinem Weblog!
1.4.05 20:57





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